Politik : Der Freund mit den Uhren

Verhaftung eines Vertrauten bringt Italiens Notenbankchef erneut unter Druck

Paul Kreiner

Rom - Teure Geschenke für den Chef der Nationalbank, Insiderhandel und Geldschiebereien – in Mailand ist Italiens gefallener Starbanker Gianpiero Fiorani verhaftet worden. Erst war es nur das engere Netz um den ehrgeizigen Fiorani, dem Insidergeschäfte, Markttäuschung und die Plünderung der eigenen Bank zu Lasten kleiner Sparer vorgeworfen wurden. Dann geriet Notenbankchef Antonio Fazio wegen illegaler Begünstigung Fioranis ins Zwielicht. Und jetzt, im Bericht der Mailänder Untersuchungsrichterin, der zu Fioranis Verhaftung führte, stehen die Namen diverser „Politiker von nationaler Bedeutung“, die von Fiorani über die Jahre hinweg offenbar mit Geschenken bedacht worden sind. Noch sind die Namen geschwärzt.

In der Sache geht es um zwei parallele Fälle: Die Banca Popolare Italiana von Fiorani wollte im Frühjahr die große Antonveneta-Bank kaufen. Gleichzeitig setzte der „rote“ Versicherungskonzern Unipol zur Übernahme der Banca Nazionale del Lavoro an. In beiden Fällen ging es vordergründig darum, ausländische Bewerber – die niederländische ABN Amro und die spanische Banco Bilbao – fern zu halten. Notenbankchef Antonio Fazio, ein glühender Verteidiger der „Italianität“ der Banken, hielt die ausländischen Bewerber hin – und kungelte mit seinen Landsleuten. Gerade hat die EU-Kommission deswegen ein offizielles Prüfungsverfahren gegen Italien eingeleitet.

Nun ist auch eine Liste opulenter Geschenke aufgetaucht, mit denen Fiorani bei Fazio, dessen Frau und Töchtern um Unterstützung warb – etwa Schweizer Luxusuhren. Fazio beteuert auch nach Fioranis Verhaftung, ein „reines Gewissen“ zu haben. Das „rote“ Bankenwesen geriet vor einer Woche ins Visier der Ermittler. Versicherungschef Giovanni Consorte wird verdächtigt, dem Verhafteten geholfen zu haben.

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