Politik : …der Fuchs abtritt

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Der deutsche Fuchs trägt den Namen Reinecke und findet oft den jähen Tod am Luderplatz.

Den englischen und walisischen Fuchs kennen wir nicht beim Namen, doch die kulturgeschichtliche Rol le, die er auf der Insel bislang spielte, kann man gar nicht überschätzen. Sie hängt mit dem sehr anstrengenden und dramatischen Ende zusammen, welches ihm traditionsbewusste Mitglieder der englischen und walisischen Oberschicht bis gestern gern bescherten. Sie tranken einen Tee, setzten sich aufs Pferd, riefen ihren Hunden zu: „Wir denken, ihr solltet jetzt loslaufen, solltet ihr nicht?!“, woraufhin die Hunde losliefen, wenn alles glatt lief, mitten in den Wald hinein, wo sie so laut bellten, dass es den Fuchs nicht mehr im Fuchsbau hielt und er sich auf die Flucht begab. Ihm folgten die lärmenden Hunde, diesen folgten die Pferde mit den Mitgliedern der Oberschicht auf dem Rücken, welche in Jagdhörner bliesen. Nicht selten stolperte ein Pferd und warf sein Mitglied samt Horn in den Schmutz, „bad luck“ dieser Art, so hieß es in der Oberschicht, gehöre nun mal dazu, das mache die ganze Sache so überaus „challenging“. Für den Fuchs bestand die Herausforderung darin, ausdauernd zu flüchten, damit die Sache kein allzu rasches Ende nähme. Wurde er irgendwann doch eingeholt, war sein kulturhistorischer Auftrag beinahe erfüllt, er musste sich nur noch von den Hunden in der Luft zerfleischen lassen.

Im letzten Herbst hat das britische Unterhaus entschieden, dass man die Traditionsjagd unterbinden müsse. Das Oberhaus war traditionell damit nicht einverstanden, was am Ende gar nichts nützte: Heute tritt das Gesetz in Kraft, welches die Hatz in England und Wales verbietet.

Dort hat sich die traditionsbewusste Oberschicht so sehr ans Treibjagen gewöhnt, und die geschichtsvergessene Mittel- & Unterschicht hat ihr den Spaß so wenig gegönnt, dass es einen Riesenstreit gab. Man hätte meinen können, dies sei mehr Klassenkampf als einer um den Tierschutz – für wen hat da wohl Prince Charles, Britanniens Ober-Öko, Partei ergriffen? Logisch, für die Tradition, die Jagd, die Klasse. Alles umsonst.

Nun wird auch der englisch-walisische Fuchs öfter am Luderplatz sein Ende finden. Jäger legen dort den Köder aus – merkwürdigerweise nennen sie ihn Luder – und schießen aus dem Hinterhalt. Kulturhistorisch betrachtet, tritt der Inselfuchs damit von der großen Bühne ab. An die neue Stille im Wald, unterbrochen allein durch etwas Lärm am Luderplatz, wird er sich gewöhnen müssen. dae

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