Politik : Der Gegenschlag: "Sturm der Flugzeuge geht weiter"

Die Al-Qaida-Organisation des islamischen Extremisten Osama bin Laden hat den USA neue Anschläge mit entführten Flugzeugen angedroht. "Der Sturm der Flugzeuge wird nicht aufhören", sagte Al-Qaida-Sprecher Sulaiman Abu Ghaith im katarischen Fernsehsender Al Dschasira. Die USA setzten am Mittwoch auch bei Tageslicht ihre Luftangriffe gegen Afghanistan fort. US-Verteidigungsminister Rumsfeld sagte, die amerikanischen Streitkräfte könnten die Ziele jetzt rund um die Uhr unter Feuer nehmen. Das Taliban-Regime in Kabul hat die islamischen Staaten um Hilfe gegen die US-Angriffe gebeten.

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Hintergrund: US-Streitkräfte und Verbündete
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Schwerpunkt: Osama Bin Laden
Schwerpunkt: Afghanistan
Chronologie: Terroranschläge in den USA und die Folgen
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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Unter anderem bombardierten die US-Flugzeuge den Flughafen von Kandahar, einer Hochburg der radikalislamischen Taliban. Nach amtlichen afghanischen Angaben sind mindestens 76 Menschen getötet und rund 100 verletzt worden. In Kandahar seien 28 Menschen und in der Hauptstadt Kabul 25 ums Leben gekommen, berichtete die afghanische Nachrichtenagentur AIP. CNN berichtete von den bislang schwersten Angriffen auf Kandahar.

Al-Qaida-Sprecher Ghaith lobte die Anschläge in den USA vom 11. September, wollte aber nicht die Verantwortung dafür übernehmen. Er forderte alle Moslems weltweit zum Dschihad (Heiligen Krieg) gegen Einrichtungen der USA auf. Jeder Moslem habe dafür seine Pflicht zu erfüllen. US-Außenminister Colin Powell sagte dazu am Mittwoch, sein Land sei gegen derartige Drohungen gewappnet. Die USA würden ihre Kampagne so lange fortsetzen, bis der Sprecher "keinerlei Grund mehr für derartige Prahlereien" haben werde, sagte er dem TV-Sender NBC.

Die US-Bundespolizei FBI veröffentlichte am Mittwoch eine Liste der 22 meistgesuchten mutmaßlichen Terroristen, an deren Spitze bin Laden und zwei seiner bekanntesten Gehilfen stehen.

Das Taliban-Regime in Kabul hat die islamischen Staaten um Hilfe gebeten, die Militäroffensive zu stoppen. Dies forderte der Taliban-Außenminister Wakil Ahmed Muttawakil in einem Brief an die Organisation der Islamischen Konferenz, die im Emirat Katar tagte. "Beenden Sie diese tragischen amerikanischen Angriffe", hieß es in dem Brief an die Vertreter von rund 50 Ländern. Die Luftschläge seien terroristische Aktionen und "Gewalt gegen alle Moslems".

Die Nato hält eine Unterstützung von US- Militäraktionen gegen andere Länder neben Afghanistan im Kampf gegen den Terrorismus für möglich. "Wenn mehr Informationen verfügbar werden, mehr Beweise über Terror-Zellen bekannt werden, die mit den himmelschreienden Verbrechen in Verbindung stehen, fällt das natürlich unter die Kategorie der Solidarität", sagte Generalsekretär Lord Robertson in Washington.

Auf Deutschland kommt möglicherweise schon bald eine bedeutende Rolle bei der Verhinderung einer humanitären Katastrophe in Zentralasien zu. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte nach der Rückkehr aus den USA, er sei mit Präsident Bush einig, dass Militäreinsätze nur Teil einer umfassenden Terrorbekämpfung seien. Regierungssprecher Heye dementierte Meldungen, wonach Schröder und Bush Details zu deutschen Militärbeiträgen besprochen hätten.

Schröder bezeichnete seine Reise als Erfolg, weil alle drei Gesprächspartner - neben Bush auch UN-Generalsekretär Kofi Annan und der New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani - den Zeitpunkt des Besuchs drei Tage nach Beginn der US-Luftangriffe als richtig gewürdigt hätten. Er sagte, ebenso wie sein Gespräch mit Bush habe auch das Treffen mit Annan ergeben, dass die Vereinten Nationen in der Zeit nach den Luftangriffen auf die vermuteten Terrorzellen die Führungsrolle bei der Bekämpfung von Hunger und Flüchtlingselend spielten.

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