Politik : Der Gegenschlag: US-Bodentruppen in Afghanistan?

m.m.

Nach zehn Tagen unvermindert heftiger Luftangriffe auf Afghanistan hat der Einmarsch von US-Bodentruppen möglicherweise bereits begonnen. Der iranische Rundfunk meldete unter Berufung auf "informierte Kreise", dass US-Helikopter von der afghanisch-pakistanischen Grenze aus auf afghanisches Staatsgebiet vorgedrungen seien und in der Region um die Taliban-Hochburg Kandahar Soldaten stationiert hätten. Unterdessen zeigte sich der afghanische Talibanführer Mullah Mohammad Omar im Kampf gegen die USA siegesgewiss und forderte seine Miliz zum Märtyrertod auf.

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Themenschwerpunkte: Gegenschlag - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung
Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags Das US-Verteidigungsministerium verweigerte am Mittwoch jede Stellungnahme zu Berichten über eine Landung von US-Soldaten nahe der südafghanischen Stadt Kandahar. Der britische Premierminister Tony Blair sagte, die USA bereiteten "mehr und weiterreichende militärische Aktionen" gegen die Taliban vor. Bei einem amerikanischen Luftangriff auf ein Wohnviertel der afghanischen Hauptstadt Kabul wurde am Mittwoch nach Angaben des arabischen TV-Senders El Dschasira ein Wohnhaus zerstört. Dabei seien zwei Männer getötet worden.

Bundeskanzler Gerhard Schröder schloss Einsätze der Bundeswehr außerhalb Europas nicht mehr aus. Eine konkrete Anfrage der USA nach Ausrüstung und Personal der Bundeswehr gibt es nach Aussage der Bundesregierung jedoch nicht.

Im Namen von Schröder erteilte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye dem Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, einen öffentlichen Rüffel. Schröder habe sich im Kabinett am Mittwoch "überrascht und enttäuscht" gezeigt, dass die bei der Unterrichtung der Fraktionen über die Lage im Zusammenhang mit den US-Luftangriffen in Afghanistan vereinbarte Vertraulichkeit nicht eingehalten worden sei. Glos habe einen "Eindruck vermittelt, der nicht zutrifft", sagte Heye - nämlich, dass eine deutsche militärische Beteiligung an den Militäreinsätzen der USA in Afghanistan unmittelbar bevorstehe.

Die Bundesregierung bestritt, dass es zwischen SPD und Grünen wegen der Afghanistan-Politik eine Krise gibt. Heye sagte in Berlin, Äußerungen der Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth, die eine Unterbrechnung der Militärschläge gefordert hatte, seien "kurzfristig missverständlich" gewesen. Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer nannte die US-Militärschläge im Gespräch mit dem Tagesspiegel "richtig und legitim". Sie fügte hinzu: "Wenn es überhaupt eine Notwendigkeit geben sollte, die Bombardements zu unterbrechen, dann nur, um an die Flüchtlinge heranzukommen."

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