Politik : Der nette Mann aus dem Telefonladen

Nachbarn ahnten nichts vom Tun des Madrider Hauptverdächtigen

Ralph Schulze[Madrid]

Er gilt als der Hauptverdächtige: Jamal Zougam, ein Marokkaner, den die spanische Polizei, ebenso wie zwei weitere seiner Landsleute, inzwischen festgenommen hat. Der 30-Jährige war den spanischen und den marokkanischen Behörden schon länger als islamistischer Extremist bekannt. Nach dem Massaker von Madrid fahnden die Antiterror-Polizisten außerdem nach fünf weiteren flüchtigen Marokkanern.

Trotz des Verdachts der spanischen Behörden war Zougam offenbar zuletzt nicht von den Sicherheitsbehörden überwacht worden. Seine Nachbarn in einem Madrider Arbeiter- und Einwandererviertel ahnten nicht, dass Zougam offenbar ein Anhänger des Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden war. Sie beschreiben den jungen Mann, der im Zentrum der Hauptstadt einen florierenden Telefonladen betrieb, als „sympathisch“ und „gut erzogen“.

Für die Sicherheitsbehörden war Zougam jedoch als Extremist seit Jahren bekannt. Im Sommer 2001, kurz vor dem Anschlägen vom 11. September, wurde seine Wohnung in der spanischen Hauptstadt von der Polizei durchsucht, weil französische Fahnder ihn verdächtigten, einer Terrorgruppe anzugehören. Das Material, das man in seinem Appartment fand, bestätigte, dass der Verdacht nicht unbegründet war. Allerdings reichten die Hinweise offenbar nicht für eine Verhaftung aus. Zougam wurde nach dem Verhör wieder freigelassen. In seinem Notizbuch standen jedoch die Telefonnummern einiger jener mutmaßlichen Extremisten, die zur spanischen Al-Qaida-Zelle gezählt wurden.

Im Herbst 2003, als Spaniens „Superrichter“ Baltasar Garzon Anklage gegen 35 Mitglieder von Al Qaida inklusive Osama bin Laden erhebt, taucht Zougams Name erneut auf, und zwar in Garzons Untersuchungsbericht: Der Marokkaner war gut bekannt mit einem mutmaßlichen marokkanischen Extremisten, Abdelaziz Benyaich, dem eine Beteiligung am Anschlag in Marokkos Metropole Casablanca vor einem Jahr vorgeworfen wird. Benyaich und Zougam teilten vorübergehend in Madrid die Wohnung.

Nach dem Terroranschlag von Madrid geht die Polizei nun davon aus, dass Zougam jene Mobiltelefone besorgte, die in den 13 Bomben in den Zügen als Zünder dienten. Zudem wollen ihn Reisende, die das Massaker vom 11. März überlebten, in einem der Pendlerzüge gesehen haben, als er eine Rucksackbombe platzierte.

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