Politik : Der Neue in Mainz

Nach der Wahlschlappe vom März soll ein junger Chef die rheinland-pfälzische CDU wieder aufbauen

Stephan Lüke[Mainz]

Gerne würde es die rheinland-pfälzische CDU so manchem durchtrainierten Boxer gleichtun: Sich nach einem linken Haken dreimal kräftig schütteln – und weiter geht es. Doch so leicht fällt es den Christdemokraten nicht, ihr Gleichgewicht nach der herben Wahlschlappe vom März wiederzugewinnen.

Der Haken, den ihr die SPD vor einem Vierteljahr verpasste, ist schwer verdaulich. Schmerz verstärkend wirkt die Erkenntnis, dass man dank eigener interner Auseinandersetzungen den Schlägen der politischen Konkurrenz nahezu schutzlos ausgeliefert war.

An diesem Samstag will man nun den ersten kleinen Schritt zur Erholung tun. Dann nämlich treffen sich die Angeschlagenen zum Landesparteitag in Mülheim-Kärlich. „Zerstört ihr noch, oder baut ihr schon?“, könnte der Slogan der Veranstaltung lauten, bei der sich vielleicht nicht alle, doch zumindest die meisten Augen auf einen 38-Jährigen richten werden. Christian Baldauf heißt der Mann, der an diesem Nachmittag sein persönliches zweites Finale zu absolvieren hat. Das erste hat er gewonnen – die Landtagsfraktion wählte ihn zu ihrem Vorsitzenden. Nun soll er auch den zweiten Posten des zurückgetretenen Landeschefs Christoph Böhr erben: Landesvorsitzender der CDU.

Das Ziel wird er erreichen, auch wenn man bei der CDU in Rheinland-Pfalz niemals etwas als hundertprozentig sicher bezeichnen darf. Ein Rekordergebnis wird er indes nicht einstreichen können. So manch einem aus der Riege, die schon gegen Böhr opponierte, missfiel, dass der junge Mann unmittelbar nach der Landtagswahl offen zu seinen Ambitionen stand.

Schnell wurde deutlich, dass der vor der Wahl propagierte Frieden in den eigenen vier Wänden nicht halten würde. Sichtlich schockiert registrierte Baldauf, dass mindestens eines seiner Fraktionsmitglieder für Kurt Beck als Ministerpräsident stimmte. „Damit habe ich nicht gerechnet“, räumt er ein. Er weiß um die Schwere der Aufgabe, die Partei zu einen: „Eine Figur auszutauschen, reicht sicher nicht, um Friede, Freude, Eierkuchen herzustellen.“

Insgesamt müsse die CDU näher an die Menschen heranrücken. Dem stand bislang, so beklagten die Christdemokraten, allzu oft „Übervater Beck“ im Weg. Doch der Ministerpräsident wird sich seit seinem Aufstieg zum Bundesvorsitzenden der SPD auf dem Spielfeld Rheinland-Pfalz rarer machen müssen. „Man sieht jetzt schon, dass er bei manchen Veranstaltungen nur kurz oder gar nicht anwesend ist“, sagt Baldauf und entdeckt neue Freiräume für sich. Zugleich aber verspricht er: „In erster Linie gucke ich auf uns und mache meinen Stiefel.“

Der Vater zweier Kinder muss mit dem Vorbehalt leben, er könne zu jung sein, die Partei, insbesondere einige etwas ältere Semester, auf Linie zu halten. Die Bedenken aber kontert er lächelnd: „Das wird jeden Tag besser.“

Viel lieber als über „Zwist daheim“ spricht Baldauf über seine drei obersten inhaltlichen Ziele. Die lauten: Vorfahrt für Arbeit, Ausbau des Bildungs- und Wissenschaftsstandortes Rheinland-Pfalz und die Überprüfung aller Gesetze auf ihre Gerechtigkeit hin. Hier wolle er punkten. Wenn dies gelänge, sehe er für die CDU nicht schwarz, betont der Anwalt, der aus seinen weiteren Ambitionen keinen Hehl macht. „2011 möchte ich die Partei als Erster durchs Ziel führen“, meldet er schon heute Ansprüche auf die Spitzenkandidatur bei der nächsten Wahl an.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben