Politik : „Der Papst hat mit Bush zu reden“ Vatikan kritisiert die USA ungewöhnlich scharf

Paul Kreiner

Rom - Als „Befreier“ hatte der US-Präsident am 4. Juni nach Rom kommen wollen. An diesem Tag jährt sich die Befreiung der italienischen Hauptstadt von den Nazi-Truppen zum 60. Mal. Doch nach dem Entsetzen, das ausgerechnet US-Soldaten mit ihren Folterungen weltweit ausgelöst haben, hat der Besuch ein anderes Gesicht bekommen. Zweimal mindestens hat sich George W. Bush um eine Audienz bei Johannes Paul II. bemüht, am Ende hat er noch extra sein Reiseprogramm umgestoßen, weil der Papst für Bush das seine nicht ändern wollte. Dass es ein hartes Zusammentreffen wird, hat Kurienkardinal Pio Laghi schon angedeutet. „Es ist gut, dass Bush kommt“, sagt Laghi, „der Papst hat mit ihm zu reden.“

„Im Namen der verletzten Menschlichkeit schreit die Kirche: Stop!“, sagte Laghi. „Wenn jetzt nicht innegehalten wird, wenn Amerika nicht innehält, wird der Strudel des Horrors noch andere Völker erfassen und uns immer weiter in die Tiefe reißen.“ Der Zweck heilige nicht die Mittel, mahnte er. „Man kann einfach keine Hunde auf Menschen hetzen." An Klarheit lässt es auch der Außenminister, Erzbischof Giovanni Lajolo, nicht fehlen. Er nannte die Folterungen einen schlimmeren Schlag für die USA als den 11. September.

Seit Anfang 2003 hat der Papst massiv gegen den „Präventivkrieg“ der USA interveniert. Die Vatikan-Diplomatie setzte dafür alle Hebel in Bewegung. Kardinal Laghi, der zehn Jahre vatikanischer Botschafter in den USA war, wurde im Frühjahr 2003 als Sonderbotschafter wieder dorthin entsandt. Lajolo und Laghi betonten beide, Bush hätte auf den Papst hören und den Krieg unterlassen sollen: „Heute sieht man, wie weise das gewesen wäre.“

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