DER SPD-VORSTAND : Traumergebnis für Hannelore Kraft

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60 Prozent Frauenquote, einmal Migrationsgeschichte und ein Traumergebnis: Das ist – kurz zusammengefasst – das Ergebnis der Wahlen der Stellvertreter von SPD-Chef Sigmar Gabriel. Fünf Sozialdemokraten standen zur Wahl, fünf Stellvertreter wurden gewählt. Und zwar weitestgehend ohne Blessuren beim Ergebnis.

Gleich zu Beginn der Wahlen am Montag gab es großen Jubel. Versehentlich hatte die Vorsitzende der Zählkommission der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ein Wahlergebnis von 100 Prozent zugeschrieben. So viele Stimmen bekam Kraft dann zwar nicht, aber ihr Ergebnis von 97,2 Prozent hebt sie trotzdem deutlich aus dem Kreis der Stellvertreter heraus.

Man kann sagen: Neben den drei Kanzler-Kandidaten-Anwärtern Gabriel, Steinmeier und Steinbrück gilt Kraft nun als stille Reserve der SPD.

Als weitere Stellvertreter Gabriels wurden der Erste Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, mit 84,9 Prozent (2009: 85,7) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit mit 87,9 Prozent (2009: 89,6) in ihren Ämtern bestätigt. Die Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, erhielt mit 82,9 Prozent (2009: 87,8) das schwächste

Ergebnis der Vizevorsitzenden.

Die erste Politikerin mit Migrationshintergrund, die den Sprung in die engste Führungsriege der Sozialdemokraten schafft, ist Aydan Özoguz. Die 44-Jährige wurde mit 86,8 Prozent der Stimmen gewählt (Porträt auf der Meinungsseite). Mit besonderer Spannung wurde das Wahlergebnis von Andrea Nahles, der SPD-Generalsekretärin, erwartet. Nahles steht hinter Parteichef Sigmar Gabriel für die – in der Partei hoch umstrittene – Organisationsreform. Sie erhielt 73,2 Prozent der Delegiertenstimmen. Und das sind immerhin mehr als 2009, als sie nur 69,9 Prozent verbuchte.

Für Spannung sorgte am Montagnachmittag die Wahl der weiteren 26 Vorstandsmitglieder. Nach der Parteireform gehören dem Vorstand künftig nicht mehr 45, sondern nur noch 35 Mitglieder an, was im Vorfeld des Parteitages bereits für Unmut gesorgt hatte.

Im ersten Wahlgang konnten von den 36 Kandidaten nur 17 die zur Wahl erforderlichen Stimmen erringen. Im zweiten Wahlgang setzten sich dann auch Vertreter einiger ostdeutscher Landesverbände durch, nachdem Gabriel in einer kurzen Intervention dazu aufgerufen hatte. Nicht geschafft hat es die Berliner Bundestagsabgeordnete Eva Högl.

Einen gewählten Vertreter der Nachwuchsorganisation gibt es künftig im Vorstand übrigens gar nicht mehr. Der Chef der Jungsozialisten Sascha Vogt zog seine Bewerbung noch vor der Wahl zurück.

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