Politik : Der Wahlkampf der Union: Koch fordert gemeinsame Wahlkampfzentrale in Berlin

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CDU und CSU wollen nach ihrer Einigung auf Edmund Stoiber als Kanzlerkandidaten schon bald ein Schattenkabinett vorstellen. In diesem "Kompetenzteam" will CDU-Chefin Angela Merkel kein Sachgebiet übernehmen. Der Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Hermann Josef Arentz, sagte dem Tagesspiegel, die Stärken von Angela Merkel sollten im Wahlkampf an prominenter Stelle zur Geltung kommen.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und der "Bild am Sonntag" warnten Mitglieder des CDU-Präsidiums vor einer zu starken Dominanz der CSU. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch habe gesagt, die CDU müsse sich ihre Eigenständigkeit bewahren. Der CDU-Politiker kritisierte auch Pläne, zwei Wahlkampfzentralen in Berlin und München einzurichten. "Zum gemeinsamen Wahlkampf gehört ein gemeinsamer Wahlkampfstab", sagte Koch der "Bild am Sonntag". CDU und CSU bräuchten einen Wahlkampf aus einem Guss und müssten eine gemeinsame Sprache sprechen. Auch CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sprach sich für einen gemeinsamen Wahlkampfstab mit Mitarbeitern aus beiden Parteien aus. Nach Informationen des Blattes hatten Merkel und Stoiber vereinbart, dass beide Parteizentralen den Wahlkampf führen sollen. Nach der Kritik wollten die beiden erneut darüber beraten.

Laut "Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung" sagte Koch bei der CDU-Präsidiumssitzung in Magdeburg, wenn man so manchem in der CSU die Hand gebe, müsse man nachher darauf achten, "ob noch alle fünf Finger dran sind". Koch sowie die niedersächsischen und rheinland-pfälzischen CDU-Landeschefs Christian Wulff und Christoph Böhr wollten deshalb Merkel zur besseren Einbindung Stoibers in die Gremien der CDU einen Vorschlag unterbreiten. Demnach solle Stoiber jederzeit ein Gastrecht im Präsidium der CDU wahrnehmen können. Im Umfeld von Merkel stoße diese Überlegung allerdings auf Ablehnung. Roland Koch schränkte diesen Bericht am Sonntag ein: "Es gibt keine Differenzen zwischen CDU und CSU - und am Selbstbewusstsein der CDU als der größeren Partei wird es auch keine Zweifel geben."

Wahlforscher sind nach Informationen des "Handelsblatts" nicht davon überzeugt, dass Stoiber den SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder bei der Bundestagswahl schlagen kann, ausschließen wollen sie es aber auch nicht. "Es wird auf jeden Fall ein spannendes Rennen geben, beide Kandidaten sind Vollblut-Wahlkämpfer", sagt der Düsseldorfer Politologe Ulrich von Alemann. Wenn sich allerdings die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor der Wahl verschlechterten, könnte es eng für den amtierenden Regierungschef Schröder werden.

CDA-Chef Arentz sagte dem Tagesspiegel: "Stoiber wird die Union nicht nach rechts ziehen. Stoiber ist ein Mann der Mitte." Wenn Stoiber auf die Themen Wirtschaft und Arbeit, innere und soziale Sicherheit setze, mache er es genau richtig. "Denn mit diesen Themen spricht er die politische Mitte an, und da werden auch im Herbst die Wahlen entschieden."

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