Politik : Der Wahlkampf der Youngsters

Nach den ersten drei Jahren im Bundestag kämpfen die Jungabgeordneten um den Wiedereinzug

Jan Hildebrand

Berlin - Nachdem ihnen 2002 das Glück half, können viele junge Bundestagsabgeordnete den laufenden Wahlkampf gelassen bestreiten. So ist dem 25-jährigen Jens Spahn der Wiedereinzug in das Parlament praktisch sicher. „Die Stimmung ist gut, ich bin sehr optimistisch, dass es klappt.“ „50 Prozent plus x“ will der CDU-Mann in seinem Wahlkreis holen. 2002 wurde er mit 22 Jahren jüngster Direktabgeordneter der Parlamentsgeschichte. Im Alter unterbieten kann ihn nur Anna Lührmann von den Grünen. Sie war beim Start in Berlin 19 Jahre alt, auch ein Rekord. „Die Jüngste zu sein, war mehr Hilfe als Nachteil. Es steigerte den Bekanntheitsgrad“, sagt Lührmann.

In den vergangen drei Jahren sah man Spahn und Lührmann oft zusammen mit der SPD-Jungabgeordneten Sabine Bätzing, 2002 27 Jahre alt, und dem FDP-Neuparlamentarier Daniel Bahr, beim Bundestagseinzug 24 Jahre alt. Die vier repräsentierten häufig die Gruppe der so genannten Youngsters.

21 Politiker unter 30 Jahren schafften es 2002 ins Parlament, viele nur per Zufall. Spahn wurde Direktkandidat in einem neuen Wahlkreis, in dem es keinen Amtsinhaber gab. Lührmann schaffte es dank des guten Abschneidens der Grünen. Sie hatte den letzten Listenplatz, auf dem es noch ein Ticket in den Bundestag gab. Genau wie Bahr.

Vor allem mit dem Thema Generationengerechtigkeit verschafften sich die vier von Anfang an Gehör – bei Fraktionskollegen und Medien. Kaum im Parlament, drohten Jungabgeordnete der Koalition der geplanten Erhöhung der Rentenbeiträge nicht zuzustimmen. Im April war die letzte große gemeinsame Aktion von Bahr, Bätzing, Lührmann und Spahn. Sie kündigten mit anderen jungen Abgeordneten eine Initiative zur Änderung des Grundgesetzes an – das Ziel Generationengerechtigkeit sollte festgeschrieben werden. Wegen der Neuwahl wurde das Vorhaben abgeblasen, in der neuen Legislaturperiode soll die parteiübergreifende Arbeit weitergehen – wenn sie es wieder in den Bundestag schaffen.

Für Bätzing wird der Wiedereinzug zur Zitterpartie. 2002 gewann die SPD-Politikerin mit einem hauchdünnen Vorsprung ihr Direktmandat in einem „eher konservativ geprägten“ Wahlkreis, wie sie sagt. Nun weht ihr der bundespolitische Trend entgegen. „Wir kämpfen rund um die Uhr und erklären den Menschen, dass es eine Erst- und Zweitstimme gibt.“ Über die Landesliste hat Bätzing auf Platz zehn keine Chance.

Lührmann und Bahr haben am 18. September gute Chancen, sie konnten aussichtsreiche Listenplätze ergattern. Beide sehen darin eine Anerkennung ihrer Arbeit. Lührmann: „Die Skepsis, die es am Anfang gegenüber den Jungen gab, ist in den vergangenen drei Jahren geschwunden.“ Bahr: „Nach einer gewissen Zeit wird das Alter vergessen, dann wird man nur an seiner Arbeit gemessen.“

Der Start als Neuparlamentarier war für keinen der vier leicht. „Das erste Halbjahr war ich hyperangespannt. Ich wusste nicht, was die Regeln sind, wem ich vertrauen kann“, sagt Lührmann. Bätzing: „Man musste sich Gehör verschaffen, durfte die Klappe aber auch nicht zu weit aufreißen.“ Den Sprung ins kalte Wasser haben sie nun hinter sich. „Deshalb wäre es verdammt schade“, sagt Bätzing mit Blick auf den Wahltag, „wenn es nicht klappen sollte.“ Jens Spahn freut sich auf den 18. September. Die vergangenen drei Jahre habe er als Oppositionspolitiker „viel für den Papierkorb produziert“. Nach der Wahl, so wünscht er sich, soll die parteiübergreifende Arbeit zwischen den Jungen weitergehen. Nur dann will er auf der Seite einer Koalitionsfraktion sitzen.

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