Politik : Der zweite Mann

Murat Kurnaz hat einen Peiniger identifiziert

Sarah Kramer

Berlin - In den Fall des früheren Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz aus Bremen kommt Bewegung: Die Tübinger Staatsanwaltschaft hat offenbar den von Kurnaz der Misshandlung beschuldigten Bundeswehrsoldaten der Elitetruppe Kommando Spezialkräfte (KSK) ermittelt. Der Bremer Türke hatte den Mann auf einem Foto wiedererkannt und eindeutig identifiziert. Gegen ihn, der den Fahndern namentlich bekannt ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen gefährlicher Körperverletzung. Neben dem Identifizierten ist ein weiterer KSK- Mann ins Visier der Ermittler geraten: Er schob mit dem von Kurnaz identifizierten Soldaten in einem Camp im afghanischen Kandahar Wache. Kurnaz wurde dort gegen seinen Willen festgehalten.

Den KSK-Mann, der Kurnaz nach dessen Aussagen in dem afghanischem Camp mit dem Kopf voran auf den Boden schleuderte, wird der Bremer wohl nie vergessen. „Mein Mandant sagt, dass sich sein Gesicht in sein Gedächtnis eingebrannt hat“, sagt Kurnaz-Anwalt Bernhard Docke. Ein weiterer Mann sei bei der Misshandlung dabei gewesen. Die Tübinger Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, weil sie für den KSK-Standort Calw zuständig ist. Die Bilder von 48 Männern in KSK-Uniformen waren Kurnaz am 28. Dezember an dessen Wohnort Bremen vorgelegt worden. 14 von ihnen waren KSK-Soldaten, 38 Männer von anderen Bundeswehreinheiten.

Die Identität eines zweiten Mannes, ist dagegen noch ungeklärt. Der Bremer hätte ausgesagt, dass er in Afghanistan auch getreten worden sei, sagt der Leiter der Tübinger Staatsanwaltschaft, Walter Vollmer. Anschließend sei er von seinen Peinigern ausgelacht worden. Allerdings habe Kurnaz nur das Gesicht eines KSK-Mannes sehen können. Er könnte nicht sagen, wer ihn getreten habe. „Wir suchen nach Zeugen, um zu klären, wer an dem Vorgang beteiligt war“, sagt Vollmer. „Aber das gestaltet sich schwierig.“ Gegen beide Männer wird wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt ermittelt. Den Angeklagten drohen im Falle eines Schuldspruchs zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft.

Murat Kurnaz will am 17. und 18. Januar vor den Bundestags-Untersuchungsausschüssen aussagen. „Das wird von erheblicher Bedeutung für beide Ausschüsse sein“, sagt der Bundestagsabgeordnete und Grünen-Obmann Hans- Christian Ströbele. „Je mehr Einzelheiten ans Licht kommen und sich bestätigen, desto mehr gewinnt der Betroffene an Glaubwürdigkeit.“ Rechtsanwalt Docke geht davon aus, dass Kurnaz’ Identifizierung den Tatsachen entspricht. „Er hat keine Veranlassung, sich so etwas auszudenken“, sagt er.

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