Deutsch-polnische Beziehungen : Streit um Tagesspiegel-Karikatur

Die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland bleiben angespannt. Eine Tagesspiegel-Karikatur hat Premier Jaroslaw Kaczynski so sehr erzürnt, dass er sich zu wilden Drohungen hinreißen ließ.

Die Stimmung zwischen Polen und Deutschland bleibt weiter gereizt. Eine Tagesspiegel-Karikatur von Zeichner Klaus Stuttmann erzürnte Polens Premier Jaroslaw Kaczynski so sehr, dass er sich mit einer unverhohlen deutlichen Drohung an die Bundesregierung wandte: "Ich warne die deutschen Regierenden. Deutschland darf keine Äußerungen tolerieren, die zum Schlimmsten führen können: zu einem Unglück in Europa und damit auch zu einem Unglück, das die Deutschen selbst betreffen wird."

Die Karikatur thematisiert die sogenannte Doppelte Mehrheit im EU-Abstimmungsverfahren, das durch die Quadratwurzel aller Weltkriegstoten ergänzt werden sollte. Das Nachrichtenportal tagesschau.de zitiert den Premier mit den Worten: "In Europa ist eine Situation entstanden, in der man nicht mehr von der deutschen Kriegsschuld, sehr wohl aber von polnischen Konzentrationslagern und einer polnischen Mitschuld am Holocaust reden darf", sagte Kaczynski.

Jaroslaw Kaczynski hatte am Rande des EU-Gipfels selbst die Beziehung zur Kriegsgeschichte hergestellt: Ohne die Toten des Zweiten Weltkriegs wären die Polen heute ein großes 66-Millionen-Volk. So hatte der Premier den polnischen Anspruch auf ein höheres Stimmengewicht in der EU begründet. Laut Tagesspiegel-Informationen beschränkt sich der polnische Ärger über die Karikatur auf die dortige Regierung. In den polnischen Medien wird sie nicht diskutiert.

Stein des Anstoßes:

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Karikatur: Klaus Stuttmann

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