Politik : Deutsche Frauen planten Selbstmordattentate

Drei zum Islam Konvertierte, darunter eine aus Berlin, wollten Anschläge im Irak und in Pakistan verüben

Frank Jansen

Berlin - Drei deutsche Frauen, die zum Islam konvertiert sind, haben offenbar Selbstmordanschläge im Irak und in Pakistan geplant. Eine der Frauen kommt aus Berlin, die beiden anderen aus Süddeutschland. Zwei hätten vorgehabt, in den Irak zu reisen, die dritte habe sich nach Pakistan begeben wollen, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte dem Tagesspiegel. Es sei den deutschen Behörden aber in den vergangenen Wochen gelungen, die Frauen im Alter zwischen Ende 20 und Mitte 30 an der Ausreise zu hindern. Zwei Frauen hätten ihre ein und zwei Jahre alten Kinder mitnehmen und möglicherweise bei den Anschlägen ebenfalls in die Luft sprengen wollen.

Die drei hätten sich über Kontakte in islamistischen Chatrooms im Internet und durch den Einfluss islamistischer Lebensgefährten radikalisiert, sagte der Sicherheitsexperte. Es sei den Behörden durch intensive Beobachtung der Chatrooms gelungen, die Frauen aufzuspüren. Mindestens eine Frau hatte im Internet ein Selbstmordattentat angekündigt. Alle drei Frauen, die auch jetzt noch als suizidgefährdet gelten, werden nach Angaben des Sicherheitsexperten weiterhin intensiv überwacht. Strafverfahren gibt es bislang allerdings nicht.

Der Frau, die aus Berlin stammt, wurde inzwischen das Kleinkind weggenommen. Außerdem sei die Frau befristet in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden, sagte der Experte. Zwei Frauen hätten miteinander in Kontakt gestanden, die dritte habe offenbar mit den beiden anderen nichts zu tun.

Bei einer der drei Frauen wurden nach Angaben des Sicherheitsexperten Kontakte zur irakischen Terrorgruppe Ansar al Islam festgestellt. Ansar al Islam, die sich auch Ansar al Sunna nennt, hat im Irak zahlreiche Anschläge verübt. Die islamistische Gruppierung ist auch in Deutschland aktiv. Im Januar verurteilte das Oberlandesgericht München den Ansar-al-Islam-Mann Lokman Mohammed zu sieben Jahren Haft. Mohammed hatte in der Bundesrepublik Gotteskrieger für Anschläge im Irak rekrutiert und Ausländer nach Deutschland geschleust. Im Dezember 2004 hatte die Polizei in Berlin, Stuttgart und Augsburg drei mutmaßliche Mitglieder von Ansar al Islam festgenommen, die einen Anschlag auf den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi geplant haben sollen. Die Bundesanwaltschaft wirft den Irakern vor, sie hätten Allawi während seines Staatsbesuches in Berlin Ende 2004 töten wollen. Außerdem sind weitere Verfahren gegen mutmaßliche Anhänger von Ansar al Islam in Deutschland anhängig. Ob es zwischen den genannten Fällen und den Attentatsplänen der drei Frauen Verbindungen gibt, ist unklar. Es sei aber angesichts der Aktivitäten der Frauen zu erkennen, dass Ansar al Islam sich in der Bundesrepublik trotz der staatlichen Verfolgung wieder erholt habe, sagte der Sicherheitsexperte.

Der Fall der drei deutschen Frauen ist nicht der erste in Westeuropa. Im November des vergangenen Jahres sprengte sich im Irak die zum Islam konvertierte 38-jährige Belgierin Muriel Degauque in die Luft. Der Sicherheitsexperte betonte gegenüber dem Tagesspiegel, das Attentat von Degauque und der Fall der drei deutschen Frauen zeugten auch von der wachsenden Gefahr des „homegrown terrorism“, wie er sich bei den Anschlägen in London gezeigt habe.

Im vergangenen Sommer hatten junge, in Großbritannien aufgewachsene Muslime verheerende Selbstmordanschläge auf die Londoner U-Bahn und einen Bus verübt, bei denen zahlreiche Menschen starben. Ein anderer Experte verwies auf die bei einer Minderheit von Konvertiten zu beobachtende Radikalisierung. Es gebe Menschen, die nach dem Übertritt zum Islam meinten, sie müssten „besonders glaubensfest“ auftreten.

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