Deutsche Soldaten : Immer aufs Neue

Die Bundeswehr ist im Umbruch. Von der Verteidigungsarmee wurde sie zur Streitmacht im Friedenseinsatz. Diese "Transformation" betrifft die Ausrüstung, aber auch den Job der Soldaten und anderer Mitarbeiter. Vor allem die Auslandsaufenthalte häufen sich.

Sarah Kramer
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BerlinWirtschaftliche Umbrüche, politischer, gesellschaftlicher und technischer Wandel, demografische Einflüsse: All das sind Faktoren, die die Struktur und die Ausstattung einer Streitkraft nachhaltig beeinflussen und verändern. Die Bundeswehr nennt diesen Prozess Transformation. Der ranghöchste deutsche Soldat, Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan, definierte den Begriff folgendermaßen: "Sie ist eine Antwort auf die Veränderungen des klassischen Kriegsbildes, mithin das Bemühen, sich auf veränderte Konfliktfelder und neue Bedrohungen angemessen einzustellen und vorzubereiten." Was im Einzelnen darunter zu verstehen ist, ist im aktuellen "Weißbuch" zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr aus dem Jahr 2006 nachzulesen. Hier die wichtigsten Punkte:

Seit dem Ende des Kalten Krieges entwickelt sich die Bundeswehr von einer Verteidigungsarmee immer mehr zu einer Streitkraft im Friedenseinsatz. Deutsche Soldaten operieren nun auch jenseits deutschen Staatsgebiets und beteiligen sich an internationalen Friedensmissionen im Ausland, unter anderem in Afghanistan, im Kosovo oder vor der Küste des Libanons (siehe Grafik).

Die Bundeswehr ist einer der größten Arbeitgeber Deutschlands

Neben sogenannten Stabilisierungseinsätzen, zu denen etwa die Missionen in Afghanistan und auf dem Balkan zählen, beteiligt sich die Bundeswehr seit dem 11. September 2001 auch am internationalen Kampf gegen den Terrorismus. So sind derzeit deutsche Soldaten im Rahmen der von den USA geführten Anti-Terror-Mission "Operation Enduring Freedom" (OEF) am Horn von Afrika stationiert. Künftig soll die deutsche Marine unter der Führung der EU im Indischen Ozean gegen Piraten zum Einsatz kommen. Hier zeigt sich, dass es die Bundeswehr nicht mehr mit "klassischen" Kriegsgegnern in Uniform zu tun hat, sondern zunehmend mit feindlichen Kämpfern wie etwa den radikalislamischen Taliban in Afghanistan oder den Seeräubern vor der Küste Somalias zu tun bekommt. Beim Militär spricht man in diesem Zusammenhang von asymmetrischen Bedrohungslagen.

Die Bundeswehr ist laut Weißbuch einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Im Jahr 1991, nach der Zusammenlegung von Bundeswehr und Nationaler Volksarmee der DDR, waren noch weit mehr als 650.000 Soldaten und zivile Angestellte bei den deutschen Streitkräften tätig. Diese Zahl wurde sukzessive reduziert: Heute sind bei der Bundeswehr rund 250.000 Soldaten und rund 117.000 Zivilisten beschäftigt. Bis 2010 soll weiteres Personal abgebaut werden: Nach den Planungen sollen dann nur noch 75.000 Zivilisten zur Verfügung stehen.

Lange Trennungen von der Familie gehören dazu

In bestimmten Bereichen hat die Bundeswehr in jüngster Zeit einen Mangel an qualifiziertem Personal zu beklagen. Vor allem zahlreiche Ärzte und Piloten haben die Bundeswehr verlassen und ihren Job in Uniform gegen eine Beschäftigung in der freien Wirtschaft eingetauscht. Gründe für die Abwanderungen sind laut Umfragen nicht nur erheblich höhere Gehälter, sondern auch, dass die Privatwirtschaft sozial verträglichere Arbeitsplätze bietet. Bundeswehrpiloten und -ärzte werden im Vergleich zu anderen Berufsgruppen überdurchschnittlich oft in den Auslandseinsatz geschickt und sind demzufolge überdurchschnittlich lange von ihren Familien in Deutschland getrennt.

Das Material und die Ausrüstung der Bundeswehr hat sich besonders durch die Auslandseinsätze stark verändert und wird immer spezialisierter. Die Streitkräfte müssen sich dabei vor allem auf die unterschiedlichen Gefährlichkeitsstufen der einzelnen Friedenseinsätze einstellen. Bei der Mission am Hindukusch steht aufgrund der angespannten Sicherheitslage insbesondere der persönliche Schutz der Soldaten auf Patrouillenfahrten und in den Feldlagern durch eine entsprechende Ausrüstung an erster Stelle. Um das Militär beispielsweise vor Angriffen mit selbst gebauten Sprengsätzen zu schützen, wurden in den vergangenen Jahren verstärkt gepanzerte Fahrzeuge und Störsender angeschafft. Im Zuge der Transformation der Bundeswehr wurden vor allem die Bodenstreitkräfte mit dem mehr als 20 Komponenten umfassenden System "Infanterist der Zukunft" (IdZ) ausgestattet. Zur Ausrüstung gehören unter anderem Schutzweste, Wärmebild- oder Nachtsichtgerät, Bewaffnung, integriertes Funkgerät mit Kopfhörern sowie ein Minicomputer mit eingebautem Kompass und satellitengestütztem Navigationssystem GPS.

Zudem sollen der Bundeswehr in den kommenden Jahren besonders für multinationale Einsätze zusätzliche Kampfflugzeuge der Marke Eurofighter und mehrereTransportflugzeuge vom Typ A400M zur Verfügung stehen. Die A400M sollen die bisher benutzten und die Jahre gekommenen Transall-Maschinen ersetzen. Zudem werden derzeit Transporthubschrauber für den Einsatz in Afghanistan umgerüstet.

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