Deutschland - Polen : Wie zwei alte Freunde

Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein polnischer Amtskollege Radoslaw Sikorski demonstrieren Einigkeit.

Knut Krohn[Warschau]

Radoslaw Sikorski ist ein Meister der politischen Inszenierung. Also legte der polnische Außenminister großen Wert auf die ersten Bilder, die von dem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier an die Öffentlichkeit gelangten. Da sitzen etwa zwei Männer in lockerer Atmosphäre gut gelaunt auf dem Sofa in Sikorskis Privathaus in Chobielin bei Bydgoszcz. Die Botschaft: wir verstehen uns prächtig. Trotz des Ziels, vor allem die persönlichen Beziehungen zu verbessern, standen natürlich bei der zweitägigen Visite zahlreiche Sachthemen auf dem Programm. Bei allen Gesprächen wurde betont, dass die beiden Staaten in Zukunft enger zusammenarbeiten wollen. So soll trotz vieler Meinungsverschiedenheiten die EU- und Ostpolitik besser untereinander abgestimmt werden. „Es gibt keine Interessengemeinschaft, aber gemeinsame Interessen“, unterstrich Sikorski am Ende des Besuches seines Kollegen bei einer Diskussionsveranstaltung in der Universität von Warschau.

Keinen Hehl machten die beiden Außenminister allerdings aus ihren Differenzen in Sachen Nato-Erweiterung. Steinmeier betonte, dass man auf dem Nato-Gipfel in Bukarest vergangene Woche für die Ukraine einen gangbaren Weg in die euro-atlantischen Strukturen gefunden habe. Das sei ein vorzeigbarer Erfolg, betonten beide Diplomaten und demonstrierte selbst auf solch schwierigen Terrain den neuen freundlichen und offenen Pragmatismus, der in die deutsch-polnischen Beziehungen Einzug gehalten hat. Auch beim schwierigen Thema der Energiepolitik übten die beiden Außenminister den Schulterschluss. Beide plädierten dafür, die Emotionen aus dem Thema zu nehmen, mit denen zum Beispiel über die Ostsee-Pipeline diskutiert worden sind. Dennoch konnte sich Sikorski den Seitenhieb nicht verkneifen, dass er nicht nachvollziehen könne, weshalb die sehr teuere Pipeline am Meeresboden an Polen vorbei laufen soll. Steinmeier hielt dagegen, dass „entgegen dem Eindruck, der sich in Polen festgesetzt hat“, Deutschland nicht auf Energielieferungen aus Russland fixiert sei. Und er gab zu bedenken, „dass die Alternativen in Sachen Energie in der Realität weniger zahlreich sind, als wir sie uns wünschen“. Angesichts dieser pragmatischen Herangehensweise an die Probleme, mochte sich kaum einer mehr an die Regierungszeit des national-konservativen Premiers Jaroslaw Kaczynski erinnern, als es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Warschau und Berlin gekommen war.

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