Politik : DGB-Chef hofft auf große Koalition

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Mehrere Teilnehmer der Runde bestätigten dem Tagesspiegel die Äußerungen Sommers. Dieser äußerte sich in einer kurzen Ansprache am Rande des DGB-Bundeskongresses in Berlin. Teilnehmer gaben an, der DGB-Chef habe gesagt, man werde nach dem 22. September noch viel Inhaltliches zu diskutieren haben. Die DGB-Pressestelle dementierte die Äußerungen Sommers. Der Vorsitzende der CDU-Arbeitnehmerschaft, Hermann-Josef Arentz, sagte hingegen: „Ich war schon sehr überrascht, dass Sommer das so nackt, schmucklos und offen gesagt hat.“ Dies spreche sehr für den Realitätssinn des DGB. In Gewerkschaftskreisen sprach man dagegen von einer „bodenlosen politischen Dummheit“ des neuen Vorsitzenden.

Vor Sommers Äußerungen hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder den Schulterschluss mit den Gewerkschaften gesucht. In seiner Rede vor den DGB-Vertretern hatte Schröder den Kampf für soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt gerückt. Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber sprach am Donnerstag von einer desaströsen arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitischen Leistungsbilanz von Rot-Grün. Er sprach sich für „kleine, sinnvolle Reformen mit Augenmaß und sozialer Gerechtigkeit“ aus. Stoibers Auftritt vor dem DGB wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und nur vereinzelt von Pfiffen und Zwischenrufen unterbrochen. Delegierte werteten den Auftritt Stoibers als „geschickt“ und „clever“, weil er alle sachlichen Differenzen angesprochen, sich zugleich aber als Anwalt des kleinen Mannes präsentiert habe.

Grünen-Chef Fritz Kuhn warnte vor der Illusion, eine Koalition von SPD und Union könne das Land voranbringen. „Wenn man ökologische und soziale Modernisierungspolitik will, ist eine Große Koalition nicht besser als Schwarz-Gelb“, sagte er dem Tagesspiegel. Er bestritt auch die Vorhersage Sommers, wonach Rot-Grün keine Chance mehr auf einen Wahlsieg habe. „Diejenigen, die bereits Monate vor dem Wahltermin das angebliche Ergebnis verkünden, sind schon oft widerlegt worden.“

Die IG-Metall kritisierte Sommers Spekulationen als „völlig abwegig". „Wir wollen keine große Koalition“, sagte ein Sprecher. Seine Gewerkschaft sehe noch realistische Chancen für einen rot-grünen Wahlsieg.

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