DGB-Studie : Jeder Dritte ist mit seinem Job unzufrieden

Nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer sind laut einer Studie des DGB mit ihren Arbeitsplatz wirklich zufrieden, gut ein Drittel dagegen überhaupt nicht. SPD und Grüne fordern verbesserte Bedingungen.

Alfons Frese[Boris Kruse],Lisa Wandt

Berlin - Nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer sind mit ihren Arbeitsplatz wirklich zufrieden, gut ein Drittel dagegen überhaupt nicht. Nach Angaben von DGB-Chef Michael Sommer vermissen die meisten Beschäftigten Einfluss-, Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Der berufliche Alltag sei „geprägt von Arbeits- und Zeitdruck, körperlich einseitiger oder schwerer Arbeit sowie emotionalen Belastungen“. Außerdem fehlten vielen Arbeitnehmern „ein Mindestmaß an Zukunftssicherheit und ein ausreichendes Einkommen“, sagte Sommer am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des neuen „DGB-Index Gute Arbeit“. Der DGB hatte das Internationale Institut für empirische Sozialökonomie (Inifes) mit der Studie beauftragt, die Umfrage unter 6000 Arbeitnehmern führte TNS Infratest durch.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters, der mit Sommer und Verdi-Chef Frank Bsirske den Index vorstellte, wies auf arbeitsbedingte Krankheiten hin, die jedes Jahr Kosten von 20 Milliarden Euro verursachten. So leide jeder Zweite unter Rücken- oder Nackenschmerzen. Als Beispiel für den Arbeitsdruck nannte Bsirske den Krankenhausbereich, wo in den vergangenen Jahren 50 000 Pflegestellen abgebaut worden seien, obwohl es eine Million Patienten mehr gebe. „Gute Arbeitsbedingungen sind eine Voraussetzung für Lebensqualität“, sagte Bsirske, deshalb werde das Thema einen „herausragenden Stellenwert bekommen“.

Von der Linkspartei hieß es am Dienstag, man könne die Debatte nicht von der Diskussion um Hartz IV trennen. "Viele Arbeitsuchende sind inzwischen bereit, einfach jedes Job-Angebot anzunehmen, um nicht den Sturz in die Beschäftigungslosigkeit zu riskieren. Das wiederum hat Auswirkungen auf diejenigen, die noch in vergleichsweise sicheren Beschäftigungsverhältnissen stehen: der Druck wird höher", sagte Kornelia Möller, die die Linke im Sozialausschuss des Bundestages vertritt, dem Tagesspiegel. Sie forderte, Leiharbeitsverhältnisse müssten entfristet und auf das absolut Unumgängliche eingeschränkt werden.

Bei der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände zeigte man sich „überrascht“ über die Umfrageergebnisse. Es gebe vielmehr Studien, die genau zu gegenteiligen Ergebnissen kämen, hieß es auf Anfrage. Für Klaus Brandner, den arbeitsmarktpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sind die Ergebnisse keine Überraschung. „Die Menschen sind zunehmend unzufrieden, weil sie sich mit flexibleren und unsicheren Arbeitsbedingungen konfrontiert sehen.“ Hier spielten vor allem niedrige Löhne und unsichere Arbeitsverhältnisse eine Rolle. „Leiharbeit und Werkverträge frustrieren“, sagte Brandner dem Tagesspiegel. Möglicherweise müsse die Politik Rahmenbedingungen verändern. „Hier spielen Mindestlöhne und unbefristete Arbeitsverträge eine wichtige Rolle.“ Brigitte Pothmer, Arbeitsmarktexpertin der Grünen, sprach sich „für einen Mindestlohn und gesetzliche Mindestarbeitsbedingungen aus“. Weil Gewerkschaften immer schwächer würden, müsse Politik handeln. Leider hätten die Arbeitgeber noch nicht begriffen, dass die „Arbeitnehmer ihr wichtigstes Potenzial sind“, sagte Pothmer. Der CDU-Arbeitsmarktexperte Ralf Brauksiepe sagte, die Politik sei nur zuständig für die Rahmenbedingungen: „Wenn bei vielen Arbeitnehmern der Eindruck besteht, die Entlohnung sei der Leistung nicht angemessen, dann wäre es Aufgabe der Gewerkschaften, bessere Löhne auszuhandeln.“

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