Dialog der Religionen : Meisner kritisiert Schweigen nach Tod von Nonne

Nach dem gewaltsamen Tod einer katholischen Nonne in der somalischen Haupstadt Mogadischu hat sich der Kölner Erzbischof Joachim Meisner enttäuscht über die ausgebliebene Reaktion der Muslime in Deutschland gezeigt.

Köln - "Ich kann es nicht verstehen, dass man eine katholische Ordensschwester, die drei Jahre in einem muslimischen Lande lebt und nur Gutes tut, dass die niedergeschossen wird, nur weil sie eine Christin ist", sagte Meisner im Vorfeld der Berliner Islam-Konferenz im Kölner Domradio. Er sei "traurig, dass die Muslime in Deutschland nicht einmütig aufgeschrieen" und gesagt hätten, "wir bitten um Entschuldigung, um Vergebung, dass der Islam sich in einer so krassen Form darstellt".

Die 65-jährige italienische Nonne war am 17. September von zwei Männern in einer Klinik in Mogadischu getötet worden. Somalische Islamisten verurteilten die Tat; sie schlossen jedoch nicht aus, dass der Angriff mit den Papst-Äußerungen zum Islam zusammenhing, die Benedikts XVI. während seines Besuchs in Bayern gemacht hatte. Meisner sagte mit Blick auf die Äußerungen des Kirchenoberhaupts in der Universität Regensburg: "Die Vorlesung des Papstes hat gezeigt, was auch hinter dem Islam steckt."

Der Kölner Kardinal fügte hinzu, es mache den Islam in Deutschland verdächtig, dass in überwiegend islamischen Ländern "die Christen in einer Weise diskriminiert sind, die für uns unvorstellbar ist". Mit Blick auf den in Köln geplanten Bau einer Großmoschee betonte Meisner: "Ich warte immer noch und hoffe, dass nach der Fertigstellung oder vor der Fertigstellung des Moscheebaus in Köln nun endlich ein katholisches Gotteshaus auch in Saudi-Arabien errichtet wird." (tso/AFP)

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