Politik : Die Ärzte des Papstes schweigen

Paul Kreiner[Rom],Martin Gehlen[Berlin]

Rom - Mit knappen fünf Zeilen hat der Vatikan am Montag die Ängste um Johannes Paul II. zu dämpfen versucht. „Ohne Komplikationen“, so versichert Sprecher Joaquín Navarro-Valls, setze sich die nachoperative Phase beim Papst fort. Dessen „allgemeine Konstitution“ und die „biologischen Werte“ hielten sich gut. „Der Heilige Vater ernährt sich regulär, verbringt einige Stunden im Lehnstuhl und hat mit Übungen zur Rehabilitation von Atem und Stimme begonnen.“

Wieder fällt auf, dass auch dieses Bulletin nicht von der Gemelli-Klinik erstellt und unterzeichnet ist, sondern nur vom Sprecher des Vatikan. Von Seiten der Ärzte kein Wort. Einer, den die Journalisten vor dem Krankenhaus abgepasst haben, legt nur den Finger auf die Lippen: „Ich sage nichts.“ Gänzlich widersprüchlich sind die Prognosen, die medizinische Experten in Italiens Medien abgeben. Während einige – mehr oder weniger ausdrücklich – einen baldigen Tod des Papstes annehmen, befinden andere, mit Luftröhrenschnitt und einer gut gepflegten, sauber gehaltenen Kanüle könne Johannes Paul II. sogar noch ein paar Jahre leben. Genauso unbeantwortbar ist schon eine viel näher liegende Frage: Wie lange muss der Papst im Krankenhaus bleiben? Lange, sehr lange, spekulieren alle. Und des Infektionsrisikos wegen werde er weitgehend von den Menschen isoliert bleiben.

Unterdessen berichtete die italienische Tageszeitung „La Repubblica“, Johannes Paul II. habe Ende der 90er Jahre bei einem Experten in Kirchenrecht eine geheime Untersuchung in Auftrag gegeben. Der mittlerweile verstorbene Autor, der italienische Kardinal Vincenzo Fagiolo, sei darin zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rücktritt des Papstes wegen Alter oder Krankheit „unangebracht“ sei. Ein solcher Schritt könnte aus Sicht des Gutachters zu Spaltungen unter den Gläubigen führen. Nur für den Fall, dass ein Oberhaupt der katholischen Kirche geistig nicht mehr in der Lage wäre, sein Amt auszufüllen, habe Fagiolo in der Studie den Rückzug aus dem Amt angeraten. Die Untersuchung soll sich jetzt im Privatarchiv von Johannes Paul II. befinden.

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