Politik : Die Angst, das nächste Ziel zu sein

Christoph Link

In Somalia schlägt die Stimmung um gegen den Westen. Europäische Journalisten berichten, dass ein Gang über den Bakaraat-Markt von Mogadischu dieser Tage einem Spießrutenlauf gleicht. "Bin-Laden"-Rufe symbolisieren die aufgeheizte, feindselige Atmosphäre. Seit dem Sturz von Siad Barre 1991 ist das Land in der Anarchie zerfallen, nur notdürftig versucht eine von Clanführern bestimmte Übergangsregierung unter Abdulkassim Salat Hassan wieder Recht und Ordnung einzuführen. Immer noch haben die mächtigen Warlords in weiten Teilen Somalias das Sagen - auch in Mogadischu.

Stellungnahmen aus Washington, dass der Krieg gegen den Terrorismus in Afghanistan nicht enden werde, sondern die "Feinde" überall verfolgt werden, nähren auch die Befürchtungen in Somalia. Von ersten Fluchtbewegungen aus Mogadischu berichtete der BBC. Hinzu kommen Äußerungen aus Italien, wo der Staatssekretär Alfredo Mantica im Außenministerium erklärt hatte, dass sich "die USA eine militärische Option in Somalia" offen halten würden. In Berlin dagegen hieß es, die USA wollten lediglich verhindern, dass sich Bin-Laden-Kämpfer nach Somalia absetzen. Mit der Schließung von Filialen des Finanzunternehmens Bakaraat in den USA und dem Kappen von Internetverbindungen ist bereits ein Nerv der somalischen Wirtschaft getroffen. Bakaraat stand im Verdacht, für bin Laden Geldtransfers vorgenommen zu haben. Die Firma hat dies stets bestritten.

Die Übergangsregierung und auch Warlords wie Osman Ali Atto bestreiten einvernehmlich, dass in Somalia Trainingslager der Terrororganisation Al Qaida existieren. Nachzuprüfen ist dies kaum, denn weite Teile des Landes sind wegen des Sicherheitsrisikos unzugänglich. Al Qaida steht auch im Verdacht, 1993 an der Ermordung von 18 US-Soldaten in Mogadischu beteiligt gewesen zu sein. Von der fundamentalistischen Gruppe Al-Ittihad heißt es, dass sie weitgehend zersplittert ist. Der UN-Beauftragte David Stephen weist alle Spekulationen zurück. Für Terroristencamps gebe es keine Beweise. Eine Intervention der USA könne die verarmte und frustrierte Bevölkerung nur noch radikalisieren, sagt Stephen.

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