Politik : „Die Besetzung hat Schaden angerichtet“

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Im Irak dauert der militärische Kampf immer weiter an. Ist die staatliche Ordnung bereits zusammengebrochen?

Nein, der Irak befindet sich in einer Übergangsphase von einer Diktatur in eine Zukunft, die meines Erachtens sehr viel besser sein wird für die Menschen. Schon heute ist die Lage besser für die meisten Iraker, sie ist auf jeden Fall besser für die hunderttausenden Opfer von Saddam Husseins Regime.

Wie wird die Zukunft des Landes aussehen?

Ich glaube, dass sie sich entlang demokratischer Spielregeln entwickeln wird. Ich halte die Iraker für ein sehr talentiertes, in der Mehrheit ausgesprochen gebildetes Volk. In 35 Jahren Diktatur landeten die Ressourcen des Landes in den Händen einer kleinen Zahl von Leuten. Irak ist potenziell ein sehr reiches Land.

Wenn es nach Ihnen gegangen wäre, hätte Amerika die Macht im Irak direkt nach der Einnahme Bagdads übergeben. Wäre die Lage dann heute besser?

Man kann darüber nur spekulieren. Aber wenn die Iraker zu Irakern gesprochen hätten, wenn die Gesetze von Irakern beschlossen worden wären, hätte sich die Bevölkerung stärker mit ihrer neuen Regierung identifiziert. Die Zustimmung, die nach Saddams Sturz durchaus vorhanden war, wäre nicht verpufft, wie es dann allmählich passierte. Niemand will besetzt sein, und die Form, wie wir die Besetzung durchgeführt haben, hat viel Schaden angerichtet. Wir haben versucht, die Kontrolle über alles zu behalten – nicht, weil wir den Irak für uns haben wollten, sondern weil wir dachten, dass vorher keine Machtübergabe stattfinden könnte. Das war ein Fehler. Der bessere Weg wäre gewesen, die Macht mehr oder weniger sofort zu übergeben.

Das Gespräch führte Moritz Schuller.

Richard Perle, 62, war Chefberater im Pentagon und enger Vertrauter von US-Verteidigungsminister Rumsfeld. Perle gilt als Hardliner und war ein starker Befürworter des Irakkrieges.

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