• Die Hardliner unter den Unionisten rüsten zum Sturz ihres Chefministers und einstigen Mentors

Politik : Die Hardliner unter den Unionisten rüsten zum Sturz ihres Chefministers und einstigen Mentors

Martin Alioth

Die innerparteilichen Gegner des nun wieder eingesetzten Chefministers Trimble rüsten schon zur nächsten Schlacht. Von der erhoffen sie sich endlich die Vernichtung des Karfreitagsabkommens (siehe Chronologie rechts). Viele von ihnen träumen noch von einer heilen Welt, in der die "Ulster Unionist Party" (UUP) noch die unbestrittene protestantische Staatspartei Nordirlands war, die vom Premierminister bis zum Friedhofsgärtner jedes Pöstchen kontrollierte.

Die aufgeschlosseneren Mitglieder der Betonfraktion sprechen von den herkömmlichen Regeln der Mehrheitsdemokratie - und meinen dasselbe. Pikanterweise hat diese jüngere Garde der parteiinternen Trimble-Widersacher vom Friedensprozess direkt profitiert: Sie wurden nach dem Karfreitagsabkommen, als sie noch zu Trimbles Jungtürken zählten, nach Amerika gesandt, um die Methoden der politischen Beeinflussung zu erlernen. Jetzt setzen sie das Gelernte um, indem sie den Sturz ihres einstigen Mentors planen.

Der Unterhausabgeordnete Willie Ross, ein altmodischer, aber einflussreicher Gegner des Friedensprozesses, nannte das Abstimmungsergebnis des kleinen Parteitags der UUP am Sonntag "das denkbar schlechteste Resultat". Die Ausgangslage der konstruktiven Elemente in der Partei ist denn auch alles andere als komfortabel: Im Verlauf der hitzigen Debatten über die Wiederaufnahme der Koalitionsregierung verlor Trimble Mitglieder seiner Fraktion; damit verfügt er nicht mehr über die kritische Masse, um die Regeln für gewichtete Entscheidungen im Belfaster Parlament zu erfüllen. Überdies droht ihm das Ungemach, im neuen Kabinett in der Minderheit zu sein: Die beiden Minister von Pfarrer Paisleys radikaler Unionistenpartei überlegen sich, ihre Ministerstühle diesmal nicht einzunehmen, um die Partei zum Motor einer Fundamentalopposition zu machen.

Nach den Proporzregeln zur Regierungsbildung rückten dann die nächstkleineren Parteien nach - Nordirland würde von einem Kabinett regiert, in dem nur noch eine Minderheit leidenschaftlich an die Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich glaubt. Paisley wird diese Verlegenheiten ausschlachten. Seine Partei behauptet, sie verkünde eherne Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und der demokratischen Hygiene: Keine Terroristen in der Regierung! Sie wissen, dass diese Haltung jeglichen Konsens mit der katholischen Bevölkerungsminderheit verhindert, aber die betörende Geborgenheit, die von Paisleys Kompromisslosigkeit ausgeht, hat bislang fast die Hälfte der UUP aus der Bahn geworfen.

Trimble wäre der vierte Parteichef der UUP und der vierte Regierungschef Nordirlands, dessen Skalp sich der alternde Paisley an seinen Gürtel hängen könnte. Trimbles Anhänger beklagten sich am Sonntag leidenschaftlich, dass die Gegner des Friedensprozesses nicht bereit seien, sich den demokratischen Verdikten der Parteidelegierten zu beugen.

Sie wissen ebenso wie ihre Gegner, dass Trimble jedesmal siegen muss, um das kühne Projekt am Leben zu erhalten - den Gegnern aber genügt ein einziger Sieg. Peter Weir, abtrünniger Fraktionskollege Trimbles, benutzte diese Wendung, ohne kenntlich zu machen, dass es sich eigentlich um ein IRA-Zitat handelt.

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