Die Linke : Gysi blockiert Wagenknecht als Fraktionsvorsitzende

04.01.2012 14:12 Uhrvon
Vorerst in ihrem Eifer gebremst: Sahra Wagenknecht. Foto: dapd
Vorerst in ihrem Eifer gebremst: Sahra Wagenknecht. - Foto: dapd

Bei der Fraktionswahl wollte Gregor Gysi Sahra Wagenknecht als Ko-Vorsitzende verhindern. Das ist ihm gelungen. Ganz ungeschoren kommt aber auch er nicht davon.

Berlin - Gregor Gysi bleibt Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag. Die Abgeordneten bestätigten den Politiker am Dienstag mit 61 von 76 Stimmen im Amt, das entspricht einem Anteil von 81,3 Prozent. Gysi erhielt damit ein deutlich schlechteres Ergebnis als 2009, als ihm nach dem bisher größten Erfolg der Partei bei einer Bundestagswahl 94,7 Prozent der Linken-Parlamentarier die Stimme gegeben hatten.

Dabei war das Abschneiden von Gysi noch das beste aller Wahlgänge zum Fraktionsvorstand. Seine neue erste Stellvertreterin Sahra Wagenknecht, frühere Wortführerin der Kommunistischen Plattform, bekam nur 47 Ja-Stimmen und damit 61,8 Prozent.

Gysi sagte, dass er sich von der Aufwertung Wagenknechts „ganz viel“ verspreche. Sie vertrete die Partei und die Politik der Linken „ausgezeichnet“ nach außen, schlage sich gut in Talkshows, habe inzwischen „viele Leute überzeugt, auch Wissenschaftler und Ökonomen“. Wagenknecht hatte angestrebt, Co-Chefin von Gysi zu werden, dies hatte dieser aus Angst um die Balance der Fraktion verhindert. Sein Argument: Eine Doppelspitze könne nur funktionieren, wenn es sich bei den Führungspersönlichkeiten entweder um zwei „Zentristen“ oder zwei Flügelvertreter handele. Sich selbst sieht er als Zentristen, Wagenknecht als linke Flügelfrau.

Die Wahlen zeigten, dass die Stimmung in der Linksfraktion ziemlich im Keller ist. Allerdings lässt sich daraus kein Sieg eines Parteiflügels ablesen. 22 bis 29 Nein-Stimmen gab es am Dienstag – bis auf die Gysi-Wahl – bei der Vergabe der wichtigsten Posten. Parlamentsgeschäftsführerin Dagmar Enkelmann wurde so nur mit mäßigem Resultat im Amt bestätigt. Zwei Stimmen weniger, und Cornelia Möhring, bisher frauenpolitische Sprecherin, wäre als weitere erste Stellvertreterin neben Wagenknecht sogar durchgefallen. Die bisherigen Fraktionsvizes Ulrich Maurer, ein enger Vertrauter von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, und Dietmar Bartsch, auf Lafontaines Druck geschasster Bundesgeschäftsführer, behalten ihre Ämter, sind aber neben Wagenknecht und Möhring nur Stellvertreter zweiten Ranges. Überraschend gab Justiziar Wolfgang Neskovic in der Sitzung bekannt, dass er für dieses Amt nicht mehr kandidiere, Teilnehmer berichteten von einer „kruden Erklärung“ des Ex-Bundesrichters. Die bisherige Vizefraktionsvorsitzende Petra Sitte lehnte es ab, von Gysi Blumen als Dank für ihre Arbeit anzunehmen.

Gysi nannte die Abstimmungsergebnisse „ehrlich“. Die Fraktion sei wild entschlossen, politisch voranzukommen. Der Schatzmeister der Partei, Raju Sharma, sagte in einem Brief an Gysi voraus: „Dein Vorschlag wird die Situation allenfalls kurzfristig befrieden, vermutlich nicht einmal das. Wer Sahra Wagenknecht als Co-Fraktionsvorsitzende sehen wollte, wird das Gefühl haben, ihr Aufstieg sei aus Machtkalkül gestoppt worden; wer sich politisch näher bei Dietmar Bartsch sieht, wird dessen Einordnung in die dritte Reihe als (weitere) Degradierung empfinden.“ Matthias Meisner

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite