• Die neue politische Farbenlehre: In NRW haben sich die Grünen der SPD versprochen, da entfachen Stimmen in Berlin und Hannover die Debatte über Bündnisse mit der CDU

Politik : Die neue politische Farbenlehre: In NRW haben sich die Grünen der SPD versprochen, da entfachen Stimmen in Berlin und Hannover die Debatte über Bündnisse mit der CDU

Matthias Meisner

Fast ist das Thema schon so alt wie die Grünen selbst. Schwarz-grün - erstmals machte Mitte der 80er Jahre mit diesem Angebot Fritz Kuhn Furore, der Mann, der sich jetzt für den Bundesvorsitz der Grünen bewirbt. Als Stuttgarter Landtagsabgeordneter machte Kuhn dem damaligen CDU-Ministerpräsidenten Lothar Späth Avancen. Doch die Südwest-Grünen, obwohl eher strukturkonservativ, bissen sich an den Christdemokraten im Ländle die Zähne aus.

Tatsächlich eignet sich die Schwarz-Grün-Debatte trefflich fast nur zum Gedankenaustausch in Interviews - wie jetzt wieder. Die niedersächsische Grünen-Vorsitzende Heidi Tischmann empfiehlt ihrer Partei, sich in den Länderparlamenten künftig auch für Koalitionen mit der CDU offen zu halten. Eine zu starre Fixierung auf Rot-Grün schade den Grünen, weil diese dabei ihr eigenständiges Profil und ihre Glaubwürdigkeit verlieren würden. Renate Künast, Berliner Fraktionschefin und wie Kuhn Kandidatin für den Bundesvorsitz, schließt Schwarz-Grün sogar im Bund nicht aus: Das Verhältnis der beiden Parteien sei von Entspannung gekennzeichnet, weil sich die ideologischen Blöcke aufgelöst hätten.

Die Unionschristen antworten nur noch höchst selten mit Gerede vom grünen Horror. Immer wieder in den letzten Wochen wird das Modell sogar für den Bund erwogen. "Wir dürfen nicht mehr die Schlachten der alten Bundesrepublik schlagen", erklärte neulich etwa der Vize-Fraktionschef im Bundestag, Günter Nooke. Und der baden-württembergische CDU-Fraktionsvorsitzende Günther Oettinger sagte, auf Länderebene sei "Schwarz-Grün für die CDU besser als Rot-Grün und vielleicht auch besser als Schwarz-Rot". Zumindest letzter Position verschließt sich auch CDU-Chefin Angela Merkel nicht.

Gemeinsam haben Union und Grüne dabei einen Spaß: Er liegt darin, die Sozialdemokraten zu quälen. Das ist spätestens klar, seit der zum linken Parteiflügel gehörende grüne Umweltminister Jürgen Trittin im Frühjahr 1999 die Debatte anheizte. Nur ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl erklärte er: "Rot-Grün als Reformprojekt ist tot."

Die nächste Chance für Schwarz-Grün besteht im Frühjahr 2001 bei der nächsten Landtagswahl - wieder in Baden-Württemberg. Doch 1994 in Sachsen und 1999 im Saarland waren die Grünen an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, als sie im Wahlkampf schwarz-grüne Gedankenspiele aufgetischt hatten.

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