Politik : Die richtigen Worte (Kommentar)

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60 Prozent der Tätigkeit eines Bundespräsidenten sei Außenpolitik, meinte Richard von Weizsäcker. Johannes Rau schätzt den Anteil höher ein. Spricht da der Fuchs, der die Trauben sauer nennt, die ihm zu hoch hängen? Sucht Rau im Ausland jene Anerkennung, an der es ihm daheim mangelt? Jedenfalls findet er sie. Wie seine Vorgänger macht Rau eine erstklassige Figur als erster Botschafter seines Landes. Immer wieder spricht er, wie Willy Brandt, von der guten Nachbarschaft als Ziel deutscher Außenpolitik: Nachbarn könne man sich in der Regel nicht aussuchen; dennoch müsse man mit ihnen auskommen. Eine besondere "Nachbarschaft" verbindet Deutsche und Israelis. Lange ehe er Präsident wurde, hat Rau daran mitgewirkt. Wenn nun zum ersten Mal ein deutsches Staatsoberhaupt vor dem israelischen Parlament sprechen durfte, galt die Ehre auch der Person. Rau ist ihr gerecht geworden. Er fand das richtige Wort. Aber er zeigte auch eine Befangenheit, die schwerfällt, nicht auch als Folge der heimischen Kritik an ihm zu werten. Nur wenn er lernt, mit ihr zu leben, wird er imstande sein, seine Kritiker zu widerlegen. Auch zu Hause.

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