Politik : Die schwache Stimme des Herrn

Johannes Paul II. absolviert seine Slowakei-Reise nur mit Mühe

Paul Kreiner[Bratislava]

Mit sichtlicher Mühe und geschwächt wie nie zuvor hat Papst Johannes Paul II. in der Slowakei seine 102. Auslandsreise überstanden. In seinen Predigten verlangte er eine „Erziehung zur Freiheit“. Noch nie, so erinnern sich Papst-Begleiter, war so etwas passiert: Johannes Paul II. sah sich auf dem Flughafen der slowakischen Hauptstadt Bratislava nicht in der Lage, seine kaum zwanzigzeilige Begrüßungsansprache zu lesen. Nach Atem ringend übergab er den Text an einen slowakischen Priester. Sein im Vergleich zu früheren Reisen eingeschränktes Besuchsprogramm zog der 83-Jährige, der an Parkinson leidet, dennoch durch.

Umjubelt von mehreren Hunderttausend Anhängern feierte der Papst Gottesdienste und beendete seine viertägige Reise am Sonntag mit einer feierlichen Messe in der gigantischen, zu sozialistischen Zeiten entstandenen Plattenbau-Stadt Petrzalka vor den Toren Bratislavas. Dass seine Kräfte immer mehr nachlassen, war auch dort zu merken: Die am Anfang wieder gekräftigte Stimme des Papstes versagte im Lauf des zweieinhalbstündigen Gottesdienstes zunehmend ihren Dienst. Johannes Paul II. war am Ende kaum mehr zu verstehen. Seine Grüße an die Pilger aus verschiedenen Ländern waren durchzogen von schweren und hörbar mühevollen Atemzügen.

Gleichwohl dementierte der Sprecher des Vatikan, Joaquin Navarro-Valls, in Bratislava die Spekulationen von Journalisten, dies könnte Johannes Pauls II. letzte Reise gewesen sein: „Diese Frage kann man nicht beantworten. Der Papst entscheidet über seine Reisen selbst. Ihm liegen noch fünf Einladungen aus verschiedenen Ländern vor. Und wenn man den Papst ein wenig kennt…“

In seinen Predigten, die großteils von einheimischen Bischöfen verlesen wurden, mahnte der Papst die Slowaken, ihre „reiche katholische Tradition“ als künftige EU-Mitglieder in Europa einzubringen: „Gebt Euch nicht zufrieden mit der Suche nach wirtschaftlichen Vorteilen. Trotz der Repressalien, denen in Osteuropa insbesondere die Kirche in der Tschechoslowakei CSSR ausgesetzt war, hat sich in der Slowakei eine breite Volkskirche erhalten - ganz im Unterschied zum heutigen Tschechien. Drei Viertel der fünf Millionen Slowaken bekennen sich zur katholischen Kirche; einen ähnlich hohen Anteil von Gläubigen gibt es wohl nur noch in Polen. Und vermutlich auch deshalb hat der Papst die Slowakei nun schon zum dritten Mal offiziell besucht.

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