Politik : Die Schweizer Bundesanwältin Del Ponte wird voraussichtlich die neue UN-Chefanklägerin

Die Schweizer Bundesanwältin Carla Del Ponte wird voraussichtlich neue Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien. UN-Generalsekretär Kofi Annan schlug die 52-jährige Tessinerin als einzige Kandidatin am Freitag dem Sicherheitsrat als Nachfolgerin der zurücktretenden Kanadierin Louise Arbour vor.

Del Ponte hat sich im Kampf gegen die russische Mafia und andere Formen des internationalen organisierten Verbrechens einen Namen gemacht. Dabei legte sie aus Sicht Annans große Professionalität und einen starken Willen an den Tag. In der Schweiz selbst ist sie wegen forscher Methoden und teilweise magerer Ergebnisse allerdings umstritten.

Die Nominierung folgte auf ein Gespräch zwischen Annan und Del Ponte vom Donnerstag am UN-Hauptsitz in New York. Die Hauptanklägerin des Haager Tribunals wird für eine Amtsperiode von vier Jahren ernannt. Sie wird ihre Funktion auch beim Kriegsverbrechertribunal für Ruanda ausüben.

Im Sicherheitsrat wird keine Opposition gegen die Schweizerin erwartet, weil die Mitglieder im voraus konsultiert worden waren. Nach der baldigen Entscheidung des Gremiums könnte Del Ponte ihre Stelle dann schon am 15. September antreten. Zu diesem Zeitpunkt wird Louise Arbour zum Obersten Gericht Kanadas wechseln.

Trotz der Nichtmitgliedschaft der Schweiz bei den UN hatten in den letzten Jahren schon verschiedene Schweizer Persönlichkeiten wichtige Funktionen für die UN ausgeübt. Zuletzt war Anfang Juli Alain Modoux zum Vize-Generaldirektor der Unesco berufen worden. Im Falle des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien, das kürzlich Präsident Slobodan Milosevic angeklagt hatte, wird die Schweizer Neutralität als Vorteil für die Arbeit Del Pontes betrachtet.

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