Politik : "Die Sonne ging in Ungarn auf": Zielstrebig in Richtung Freiheit

Anat-Katharina Kalman

Inhalt, Intention und Präsentation sind nicht immer eins. Auch bei Istvan Horvaths Buch fragt man sich, mit welcher Intention dieses wohl geschrieben wurde. Allein die Hommage an die "Kämpfer der Demokratie", die das Cover schmückt, schreckt diejenigen zurück, die wissen, was eine "Nomenklatur" war, wie sich diese Führungselite in ihrem Einparteien-Staat jahrzehntelang wirtschaftlich und politisch konsolidieren konnte, um schließlich einen Reformkurs anzustreben, der auch ihr durchaus nutzte. Kämpfer der Demokratie waren sie sicherlich nicht, die Reformpolitiker des ungarischen Gulasch-Kommunismus, viel eher Wegbereiter für eine spätere Demokratie.

Istvan Horvaths Buch ist nichtsdestoweniger ein interessantes Zeitdokument, das den Blick hinter die Kulissen erlaubt und zeigt, wie zentral die Rolle Ungarns für den mittel- und osteuropäischen Systemwechsel im Jahre 1989 gewesen war. Denn die Öffnung der ungarischen Grenzposten im Sommer des gleichen Jahres beruhte nicht nur auf einer spontanen und isolierten Entscheidung des damaligen Ministerpräsidenten Miklos Nemeth, sondern war das Ergebnis einer jahrzehntelang zielstrebig verfolgten ungarischen Außenpolitik.

Sehr detailliert rekonstruiert der Autor, der zwischen 1984 und 1991 selbst Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland gewesen war, die wichtigsten Stationen dieser ungarisch-deutschen Freundschaft. Angefangen mit der Errichtung des ungarischen Konsulates in Frankfurt im Jahre 1947, über die Aufnahme (von der DDR eifersüchtig beäugt) diplomatischen Beziehungen zwischen Ungarn und der Bundesrepublik die im Jahre 1973, bis März 1989, als Ungarn die Genfer Flüchtlingskonvention akzeptierte.

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