Politik : …die Wahl näher rückt (5)

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In Thüringen haben sie gerade das alte DDRGefühl ein wenig zurückgewählt: 100 Prozent der Stimmen für die Linkspartei, und das, obwohl der Genosse Oskar doch noch gar kein Zentralkomitee gegründet hat, zu dessen Generalsekretär er auf Wunsch der ausgebeuteten Massen alsbald aufsteigen könnte. Allerdings stammen diese 100 Prozent auch nur von exakt zwei Wählern, und die sind noch nicht einmal wahlberechtigt: Zwei Teilnehmer des Projekts „U 18“, das Jugendliche nach ihren Präferenzen zur bevorstehenden Wahl fragt.

Anderswo waren es mehr, und das Ergebnis lässt sich in etwa so zusammenfassen, dass Deutschlands Jugendliche in ihrer großen Mehrheit „Weiter so!“ sagen. CDU und FDP haben es bislang nicht geschafft, den Wählernachwuchs von sich zu überzeugen, aber das ist auch kein Wunder. Die Meinung zu Studiengebühren, beispielsweise, ist doch recht stark abhängig davon, ob das Studium noch bevorsteht oder eher lange zurückliegt. Und auch die Ansichten über den richtigen Steuertarif variiieren je nach individueller Steuerlast – bei 15-Jährigen dürfte sie im Normalfall, Kirchhof hin, Merz her, in jedem Fall bei null liegen, was auch eine Spitzenbelastung von 100 Prozent als erträglich erscheinen lässt.

Eine Jugendrepublik Deutschland würde also vermutlich von juvenilen Fachkräften wie Andrea Nahles geleitet werden, die einen MP3-Spieler auf den ersten Blick von einer externen Festplatte unterscheiden und mit dem Alterspräsidenten Christian Ströbele sachkundig über die Hanf-Freigabe debattieren können. Sehr friedlich wäre es, das neue Deutschland, frei von Millionären und anderen unangenehmen Nebenwirkungen jener Welt, wie sie die Erwachsenen für brauchbar, wenn nicht gar erstrebenswert halten. Nur die seltsamen 14,2 Stimmenprozente der NPD im Saarland geben zu gewissen Bedenken Anlass.

Es ist ein wenig schade, dass andere Wählergruppen nicht so eingehend über ihre Vorlieben Auskunft geben, sondern allenfalls von den Demoskopen grob durchleuchtet werden. U85 zum Beispiel: Würden Deutschlands Greise sich in messbarer Weise den Grauen Panthern zuneigen oder doch aus Trotz und Politiküberdruss ihre Stimme an die Autofahrerpartei verschleudern? Und was ist drunten los, bei U10? Dort würden sie vermutlich jede Partei wählen, wenn nur Käpt’n Blaubär das Kanzleramt steuert und die Maus seine Regierungssprecherin wird.

Klingt ein wenig nach Oskar&Gregor, nicht wahr? Die kriegen das freilich in diesem Jahr nicht mehr hin. Aber für Thüringer Verhältnisse ist ja auch später noch genügend Zeit. bm

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