DIE NEUE TÜRKISCHE VERTRETUNG : Moderne Architektur an historischem Ort

Neues Selbstbewusstsein, aber auch ein Verweis auf die traditionell guten deutsch-türkischen Beziehungen. Das neue Botschaftsgebäude der Türkei im Tiergartenviertel will symbolisch gedeutet werden. Es fußt auf den Kellergewölben des im Krieg zerstörten Vorgängerbaus und wächst gleichzeitig über den alten Grundriss hinaus. Die neue Botschaft ist die größte Auslandsrepräsentanz der Türkei.

Das Haus teilt sich in zwei Flügel, die mit einem Atrium verbunden sind, das soll der geografischen Lage am Bosporus Rechnung tragen. Das Gebäude wirkt von außen sachlich-modern, gleichzeitig geben in den türkischen Kalkstein gefräste Ornamente einen Hinweis auf die islamische Identität. Auch in den Foyerwänden aus Glas finden sich die adaptierten historischen Girih-Muster. Ins Foyer hinein führt ein bis zum Sims ragendes, „goldenes“, mit Kupfer ausgeschlagenes Tor. Das Berliner Büro nsh hat den Entwurf für die Botschaft geliefert. Die Boulevardpresse erkannte darin das Bundeskanzleramt wieder und

erfand den passenden

Kosenamen „Bündüskünzlürümt“.

Nach dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin bezog der türkische Botschafter zunächst ein Bürogebäude in der Rungestraße. Doch schon 1992 hatte die Regierung in Ankara einen Neubau an historischer Stelle beschlossen. Heute liegt die neue Botschaft zwischen den

Repräsentanzen Südafrikas und Italiens. Die Kosten für das Gebäude werden mit rund 30 Millionen Euro beziffert.

In Deutschland leben

2,5 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln,

in Berlin haben mehr als 100 000 Menschen einen türkischen Pass. Der Neubau repräsentiert auch die türkischen Einwanderer und ihre doppelte, oft konfliktträchtige Identität. Da kann diplomatisches Geschick nur helfen. loy

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