• "Diese Aufgabe ist mehr als ein Fulltime-Job" - Die Vorstandsprecherin Antje Radcke zu ihrer Kandidatur

Politik : "Diese Aufgabe ist mehr als ein Fulltime-Job" - Die Vorstandsprecherin Antje Radcke zu ihrer Kandidatur

Frau Radcke[warum wollen Sie wieder antreten? Sie]

Das Gespräch führte Thomas Kröter

Frau Radcke, warum wollen Sie wieder antreten? Sie sind doch genau so erfolglos wie ihre Sprecherkollegin Gunda Röstel.

Unsere Einschätzungen, was erfolgreich ist, scheint unterschiedlich zu sein. Meine Bilanz als Vorstandssprecherin kann sich jedenfalls sehen lassen.

Und welche Bilanz macht sie erfolgreicher als Ihre Kollegin?

Ich finde, dass weder Gunda Röstel noch ich es nötig haben, uns miteinander vergleichen zu lassen.

Dann sagen sie, welche Erfolge sie zur Wiederkandidatur ermuntern.

Ich stelle mich den Delegierten zur Wahl, weil ich die anspruchsvollen Aufgaben bewältigen möchte, die vor den Grünen stehen. Diese Partei hat es dringend nötig, dass Flügelkämpfe durch einen integrativen Führungsstil abgebaut werden. Dafür stehe ich und habe dabei auch Erfolge vorzuweisen.

Integrativ - heißt das: Sie haben dazu beigetragen, Joschka Fischer die Mehrheit für seinen Kosovo-Kurs zu sichern?

Politik reduziert sich in meinem Verständnis nicht auf das Organisieren irgendwelcher Mehrheiten. Beim Kosovo-Krieg, aber auch in der Frage des Atomausstiegs ist deutlich geworden, dass ich keine unbedeutende Rolle gespielt habe, weite Teile der Partei in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Die Linke rechnet sich als Erfolg an, die Partei auf den Realo-Kurs einzuschwören.

Ich schwöre niemanden ein. Ich komme, wenn Sie wollen, aus der linken Ecke. Aber ich bin Sprecherin der Gesamtpartei.

Nach außen zählen zu Ihrer Erfolgsbilanz vor allem schlechte Wahlergebnisse.

Die Misere, in der sich die Grünen und die Koalition im vorigen Jahr befunden haben, ist nicht allein dem Bundesvorstand anzulasten. Da haben wir alle Lehrgeld bezahlen müssen - auch die Ministerinnen und Minister, auch der Fraktionsvorstand. Zweitens ist die Schleswig-Holstein-Wahl zwar noch kein Zeichen, dass wir die Trendwende geschafft haben. Aber der Abwärtstrend ist gestoppt. Dazu hat die Bundespartei personell wie materiell maßgeblich beigetragen.

Und nun gehts schon aufwärts?

Wenn man sich die Bilanz der vorigen Landtagswahlen anschaut, ist dies ein wichtiger Schritt. Das ist aber nicht das einzige Erfolgskriterium. Wir haben einen schweren Weg hinter uns. Da kann uns Kontinuität nur gut tun, wenn wir nach dem Parteitag die Strukturreform geschafft haben. Dann können wir uns auch den inhaltlichen Fragen wieder verstärkt zuwenden - zum Beispiel unseren Grundsatzprogramm.

Können Sie sich persönlich vorstellen, neben dem Vorstandsposten für ein Parlamentsmandat zu kandidieren?

Nein. Denn ich merke, dass die Aufgabe mehr als ein Fulltime-Job ist.

Sie sind für die Reform, sagen aber: Eigentlich geht das nicht in der Praxis?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden und organisieren. Ich möchte meine ganze Kraft für ein Amt verwenden.

Als Kandidaten sind bisher Renate Künast und Fritz Kuhn im Gespräch. Können Sie sich mit beiden Zusammenarbeit vorstellen?

Ich kann mir grundsätzlich immer eine Zusammenarbeit in einer Doppelspitze vorstellen. Das gehört zu unseren Prinzipien. Zu denen stehe ich.

Mit wem würden Sie lieber arbeiten?

Das steht nicht zur Debatte. Erst mal muss die Strukturreform angenommen werden. Außerdem geht es auf dem Parteitag schließlich auch noch um den Atomausstieg. Danach wird man sehen: Wann wird gewählt? Wer kandidiert?

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