Politik : „Dieser Staat wird Muskeln bekommen“

Der Schauspieler Arnold Schwarzenegger über seine Ideen zur Reduzierung des Staatsdefizits in Kalifornien, Lobbyisten – und das Älterwerden

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Sie wollen Gouverneur im USBundesstaat Kalifornien werden. Was wollen Sie denn gegen das Staatsdefizit von ungefähr 38 Milliarden Dollar tun?

Wir werden bald ein detailliertes Programm vorlegen. Aber wir müssen uns bewusst sein, dass Kalifornien in einer Krise steckt, und ich bin überzeugt, dass der einzige Weg, der aus dieser Krise herausführt, der ist, wieder Industrie in Kalifornien anzusiedeln. Mit den Unternehmen kommen Gewinne und damit das Geld für die Programme, die wir brauchen. Die Leute reden immer ausschließlich von zwei Dingen: Steuern erhöhen oder die Sozialprogramme stutzen. Es gibt eine dritte Lösung: Aus Kalifornien wieder einen Ort für Unternehmen machen.

Wie rechtfertigen Sie Ihre fünf Geländewagen vom Typ Hummer Humvee, die Unmengen Sprit verbrauchen?

Die Umwelt hat mir immer am Herzen gelegen, und ich werde für saubere Luft und die Suche nach alternativen Energiequellen kämpfen. Meine fünf Hummer? Jeder hat seine Sammlungen und sein Steckenpferd. Ich hoffe, es tröstet Sie zu wissen, dass ich immer nur einen fahre.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, Sie seien für das Amt des Gouverneurs nicht ausreichend qualifiziert?

Man muss zwischen Qualifikation und Führungsqualitäten unterscheiden. Wer einen Staat führt, muss diese Qualität besitzen. Qualifikation nützt nichts. Gouverneur Davis sagt, seine politische Erfahrung könne man nicht kaufen, und sehen Sie, wohin sie uns gebracht hat! Wir sind in der wirtschaftlich schlimmsten Situation der Geschichte Kaliforniens. Bei allem, was ich gemacht habe, habe ich immer Führungsqualitäten unter Beweis gestellt. Wie oft habe ich gehört, dass ich es nie schaffen würde, dass es unmöglich sei, dass ein armer österreichischer Bauer nach Amerika komme und Erfolg beim Film habe. Die Menschen sagten: Du hast einen unaussprechlichen Namen, sprichst nicht gut Englisch, und dein Körper ist übertrainiert. Und dann wurde ich zum bestbezahlten Schauspieler der Welt. Ich habe meine Ziele immer erreicht, weil ich alles, was ich mache, mit Leidenschaft mache. Jetzt ist es meine Leidenschaft, Kalifornien wieder in den goldenen Zustand zu versetzen, in dem es war, als es mich1968 mit offenen Armen empfing, einen Einwanderer ohne einen Dollar, und es mir möglich machte, der zu werden, der ich heute bin.

Sind Sie sicher, dass Sie dem Druck der Interessen-Gruppen standhalten werden, wenn Sie erst in Sacramento sind?

Ich habe es mehr als einmal gesagt: Ihr werdet es nie erleben, dass ich in Sacramento Verabredungen mit dieser oder jener Lobby treffe. Ich bin schon reich, mich kann keiner kaufen. Heute regieren Einzelinteressen in Kalifornien. Mit mir würde das anders: Politiker müssen das Volk von Kalifornien vertreten, keine Einzelinteressen. Wenn ich erst einmal in Sacramento bin, werde ich richtig aufräumen und alle zum Training schicken. Dieser Staat wird Muskeln bekommen.

So wie Sie, der gerade 56 geworden ist und in Bestform zu sein scheint?

Ich habe ein Leben lang trainiert, und für meinen neuen Film „Terminator 3“ habe ich wie ein Verrückter Gewichte gestemmt, um wieder die Form zu bekommen, die ich in meinem ersten Film hatte und um wieder dieselbe Lederjacke tragen zu können. Heute reagieren die Muskeln allerdings nicht mehr wie früher: Wenn ich mir zum Beispiel eine Muskelzerrung zuziehe, brauche ich zwei oder drei Tage, um sie zu kurieren. Als ich 25 war, war es einer. Ich glaube aber nicht, dass das ein Problem wird, wenn ich täglich in Sacramento in meinem eigenen Fitnessraum trainiere, bevor ich die Probleme des kalifornischen Staates angehe.

Das Gespräch führte Silvia Bizio.

© La Repubblica 03

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