Politik : Diplomatische Verwicklungen: Amerikanisches U-Boot erzürnt Tokio

Ein Atom-U-Boot der US-Marine hat in Japan für Aufregung und diplomatische Verwicklungen gesorgt. Das U-Boot fuhr ohne vorherige Ankündigung in den Hafen der Stadt Sasebo im Südwesten des Landes ein, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung am Dienstag berichtete. Die Stadt sei nur darüber unterrichtet worden, dass das U-Boot am Montag vor dem Hafen auflaufen werde. Damit wurde ein Abkommen von 1964 verletzt, nachdem die USA verpflichtet sind, Japan über Hafenstopps von Atom-U-Booten 24 Stunden im Voraus zu informieren.

Der japanische Außenminister Yohei Kono verlangte eine Erklärung der USA und schlug vor, das Anlegen von US-U-Booten in japanischen Häfen zunächst auszusetzen. Der US-Gesandte in Japan, Christopher LaFleur, entschuldigte das Einlaufen des U-Boots nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums mit einer Fehlkommunikation innerhalb der US-Marine. Von dem U-Boot gehe aber keine Gefahr für die Umwelt aus, hieß es weiter. Sasebo liegt knapp 1000 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tokio.

Im Verhältnis zwischen den USA und Japan war es bereits zu Spannungen gekommen, als das amerikanische Atom-U-Boot "Greeneville" am 9. Februar während eines Notauftauchmanövers das japanische Fischerei-Schulschiff "Ehime Maru" versenkte. Dabei wurden neun Menschen an Bord der "Ehime Maru" getötet.

Am Dienstag stürzte unterdessen ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-16 während eines Trainingsflugs nördlich von Japan ins Meer. Der Pilot habe sich retten können und sei von einem japanischen Marinehubschrauber geborgen worden, teilten die US-Streitkräfte und japanische Behörden mit. Der Kampfjet verunglückte rund 20 Kilometer nordöstlich des US-Luftwaffenstützpunktes in Misawa im Norden Japans.

Umstrittenes Geschichtsbuch

Die japanische Regierung hat am Dienstag die Publikation eines umstrittenen Schulbuches zum Zweiten Weltkrieg freigegeben und damit Proteste in Südkorea ausgelöst. In dem Textbuch für Mittelschüler wird Kritikern zufolge Japans Militäraggression gegen asiatische Nachbarländer vor und während des Zweiten Weltkrieges gerechtfertigt und vereinfacht dargestellt.

Das Buch war von einer Gruppe nationalistischer Historiker ausgearbeitet worden. Teile des Entwurfs müssen jedoch nun teilweise überarbeitet werden. So sollen die Autoren jetzt schreiben, dass das von der kaiserlichen japanischen Armee im Zweiten Weltkrieg begangene und bislang geleugnete Massaker in Nanking eine historische Tatsache sei.

Die historische Darstellung in einem freigegebenen Buch dürfe nicht mit der Sicht der Regierung gleichgesetzt werden, verlautete aus dem Außenministerium in Tokio. Kritiker werfen Japan vor, seine jüngste Vergangenheit nie richtig aufgearbeitet zu haben. Japans Ansicht sei im Jahr 1995 in einer Erklärung des damaligen Regierungschefs Tomiichi Murayama zum Ausdruck gekommen, sagte ein Regierungssprecher. Damals hatte Premierminister Murayama sein "tiefes Gefühl der Reue" und "von Herzen kommende Entschuldigung" für das von Japan in Asien verursachte "enorme Leid" ausgedrückt.

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