Direktmandate für den Bundestag : Und raus bist du

Auch einige prominente Politiker müssen um ihr Mandat bangen. Denn nicht immer sind sie über die Liste abgesichert.

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) muss auf die Landesliste der CDU hoffen.
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) muss auf die Landesliste der CDU hoffen.Foto: imago

Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach geht es um alles oder nichts. Schon vor vier Jahren gewann er seinen Wahlkreis Leverkusen-Köln IV nur knapp vor Helmut Nowak von der CDU. Bei den Zweitstimmen überholte die CDU die SPD hier damals sogar. Für die Wahl an diesem Sonntag geben die Demoskopen Lauterbach nur geringe Chancen auf einen erneuten Sieg . Und da er auf der SPD-Landesliste einen abgeschlagenen Platz belegt, ist sein Wiedereinzug in den Bundestag fraglich.

Lauterbach ist nicht der einzige prominente Politiker, der um ein Direktmandat bangen muss. Auch die SPD-Ministerinnen Andrea Nahles und Barbara Hendricks werden ihre Wahlkreise wohl nicht gewinnen. Da sie auf den jeweiligen Landeslisten gut positioniert sind, Nahles ist Spitzenkandidatin in Rheinland-Pfalz, Hendricks steht in NRW auf Platz zwei, können sie sich aber entspannt zurücklehnen. Selbst ohne Bundestagsmandat könnten sie sogar wieder Ministerinnen werden; ein Sitz im Parlament ist dafür keine Voraussetzung.

Im Notfall könnte auch Ursula von der Leyen (CDU) auf diese Option setzen. Ihr Wahlkreis in Hannover ging seit Gründung der Bundesrepublik immer an die SPD. Leyen verlor hier schon zweimal gegen Edelgard Bulmahn; diesmal tritt Yasmin Fahimi gegen sie an. Als Spitzenkandidatin ihrer Partei könnte die Verteidigungsministerin letztlich allerdings nur am Erfolg der eigenen Partei scheitern. Sollte die CDU in Niedersachsen so viele Direktmandate holen, dass kein einziges Mandat mehr über die Liste vergeben würde, wäre Leyen draußen. Wahrscheinlich ist das aber nicht.

Der frühere SPD-Parteichef Sigmar Gabriel hingegen steht sehr weit hinten auf der Landesliste der SPD in Niedersachsen – auf Platz 25. Eindeutig zu weit hinten, um sich einen Sitz im Reichstag zu sichern, sollte er sein Direktmandat nicht gewinnen. Das könnte durchaus passieren: Gabriel gilt als Wackelkandidat, auch wenn er zuletzt als Außenminister Sympathiepunkte sammeln konnte.

Auch Grüne müssen zittern

Bei den Grünen gibt es zwei prominente Gesichter, die wohl nicht mehr in den Bundestag einziehen werden: Renate Künast und Özcan Mutlu. Beide treten in Berlin an und stehen weit vorn auf der Grünen-Landesliste. Doch in Berlin haben die Grünen traditionell auch Aussicht auf ein Direktmandat. Angesichts der schlechten Umfragewerte ihrer Partei sind die Listenplätze drei und vier damit schon keine sichere Empfehlung mehr für das Parlament. Zumindest Künast darf aber noch hoffen. Der grüne Dauersieger im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost, Hans-Christian Ströbele, hat sich aus der Politik verabschiedet. Sollte seine Nachfolgerin Canan Bayram scheitern, würde ein weiteres Mandat über die Liste besetzt.

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