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Diyarbakir in Türkei : Tote und Verletzte bei Explosion

Wenige Stunden nach der Festnahme führender Politiker der prokurdischen Partei HDP ist es in Diyarbakir zu einer schweren Explosion gekommen. Die Hintergründe sind noch unklar.

Rauch über Diyarbakir nach einer Explosion in der Nähe des Polizei-Hauptquartiers.
Rauch über Diyarbakir nach einer Explosion in der Nähe des Polizei-Hauptquartiers.Foto: REUTERS

Nach der Festnahme zahlreicher Abgeordneter der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP ist es in der südosttürkischen Kurdenmetropole Diyarbakir zu einer schweren Explosion gekommen. Nach Regierungsangaben sind mindestens acht Menschen getötet worden. Mutmaßlich handele es sich um einen Selbstmordanschlag, unter den Toten sei ein „Terrorist“ der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim am Freitag vor Journalisten in Istanbul. Mehr als hundert Menschen seien verletzt worden, sieben von ihnen würden noch behandelt.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete kurz darauf, die Behörden hätten eine Nachrichtensperre verhängt. Das geschieht in der Türkei in der Regel bei Anschlägen.

Anwohner sagten der Deutschen Presse-Agentur, die Detonation habe sich am Freitagmorgen in der Nähe des Polizei-Hauptquartiers der Provinz Diyarbakir ereignet und sei in weiten Teilen der Stadt zu hören gewesen. Hubschrauber kreisten über Diyarbakir. Anadolu meldete, zu der Detonation sei es neben einem Anbau der Polizeizentrale gekommen.

Bei nächtlichen Razzien hatte die Polizei wenige Stunden zuvor elf HDP-Abgeordnete festgenommen, darunter die Parteichefs Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag. Demirtas wurde laut Anadolu in seiner Wohnung in Diyarbakir festgenommen, Yüksekdag in Ankara. Auch der Fraktionschef Idris Baluken wurde in Gewahrsam genommen.

Auf Betreiben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan war im Mai ihre Immunität aufgehoben worden. Erdogan beschuldigt die zweitgrößte Oppositionspartei im Parlament, der verlängerte Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu sein.

In den Kurdengebieten in der Südosttürkei und in anderen Regionen sperrten die Behörden in der Nacht den Zugang zu sozialen Medien. In der Millionenmetropole Istanbul war zeitweise das mobile Internet per Handy nicht zu erreichen. Regierungskritiker in der Türkei nutzen soziale Medien, um Informationen auszutauschen und beispielsweise Demonstrationen zu organisieren. Die meisten Massenmedien sind inzwischen auf Regierungskurs. Zahlreiche kritische Medien ließ Erdogan in den vergangenen Wochen per Notstandsdekret schließen. (dpa/AFP)

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