Donald Trumps Wahlkampf : Auf der Suche nach der verlorenen Zivilität

Donald Trump sieht sich selbst als Freund Israels. Doch vor seinem Auftritt heute bei der Israel-Lobby kündigen Rabbis offene Proteste gegen ihn an.

von
Sie fehlen bei keinem Auftritt Donald Trumps während seiner Kampagne: Buttons von ihm und seiner Ehefrau Melania.
Sie fehlen bei keinem Auftritt Donald Trumps während seiner Kampagne: Buttons von ihm und seiner Ehefrau Melania.Foto: Sam Mircovich/Reuters

Donald Trump bemüht sich um ein neues Image und einen neuen Ton in seinem Wahlkampf: weniger Rüpel, mehr Staatsmann. Die ursprünglich für Sonntag Abend vorgesehene Fernsehdebatte – vor den Vorwahlen in Arizona und Utah am Dienstag - hat er abgesagt; denn solche Wortgefechte im TV-Format entglitten bisher immer wieder in Richtung Gossensprache. Selbst wenn Trump es selbst nicht darauf anlegte, seine Rivalen oder ganze Wählergruppen zu beleidigen, wurde er von den Moderatoren regelmäßig mit Zitaten aus früheren Aufeinandertreffen konfrontiert.

Nachdem ihm die raue Art eine klare Führung im Ringen um die Kandidatur beschert hat, möchte Trump jetzt seriös auftreten, damit die Wähler sich mit der Vorstellung eines Präsidenten Trump im Weißen Haus anfreunden, ohne Bedenken zu haben. Das Jahrestreffen des einflussreichen American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) am Montag in Washington mit tausenden Teilnehmern will er für eine außenpolitische Grundsatzrede nutzen. Er rechnet mit einem freundlichen Empfang. Denn nach seinen eigenen Worten ist „niemand mehr Pro-Israel“ als er.

Doch ist der Ruf erst ruiniert … Selbst bei der Pro-Israel-Lobby hat Trump sich mit seinem bisherigen Auftreten Feinde gemacht. Hunderte Rabbis haben Proteste angekündigt, weil Trump die USA mit seinen Äußerungen über Frauen, Behinderte und Minderheiten spalte. Die Einen wollen ihre Missbilligung zeigen, indem sie demonstrativ den Saal verlassen. Andere werden ihren Protest mit Anti-Trump-Buttons und Plakaten ausdrücken. Wieder eine andere Gruppe möchte ihm jede Resonanz verweigern, also weder applaudieren noch kritisch reagieren – als sichtbares Zeichen, dass sie sich mit einem wie ihm nicht abgeben.

Trump ist nicht der einzige Präsidentschaftskandidat, der heute um die Gunst der mächtigen Israel-Lobby wirbt. Auch Hillary Clinton, Ted Cruz und John Kasich werden dort sprechen. Alle werden mit ihrer angeblich unverbrüchlichen Treue zu Israel werben. Trump wird derjenige sein, bei dem die Selbstdarstellung und die Außenwahrnehmung am stärksten differieren. Auf dem Papier hat er wohl die größte Affinität zur jüdischen Gemeinde in den USA.

Er lebt in New York, der Stadt mit der größten jüdischen Bevölkerung Amerikas. Seine Tochter Ivanka hat einen othodoxen Juden geheiratet und ist zum Judentum konvertiert. Einen Teil seines Immobilienimperiums hat Trump gezielt an jüdische Interessenten vermarktet. Konkret: das luxuriöse Urlaubsressort Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida. Bis vor wenigen Jahrzehnten hatten Juden in Florida noch unter offener Diskriminierung zu leiden. Private Clubs und manche Hotels ließen dort keine Juden zu.

Diese Vorgeschichte ist zugleich Hintergrund der Proteste gegen Trump beim AIPAC-Treffen. „Wir können nicht passiv bleiben, wenn ein Spitzenpolitiker so diskriminierend gegen Muslime redet, wie wir das früher gegen Juden erlebt haben“, sagt Rabbi Jesse Olitzky aus New Jersey. Rabbi Adam Raskin aus Potomac, einem Vorort von Washington D.C., grenzt die Protestform zugleich gegen die Störer bei Trumps Wahlkampfauftritten ab. „Wir wollen seine Rede nicht verhindern oder unterbrechen. Sondern ausdrücken, wie unwohl uns beim Ton seiner Kampagne ist.“

Vielerorts wachsen die Bedenken gegen einen Präsidentschaftskandidaten Trump und formiert sich offener Widerstand, um zu verhindern, dass er die für die Nominierung nötige Zahl von Delegierten erringt. Am Wochenende trafen sich Vertreter des konservativen Parteiflügels der Republikaner, um eine Gegenstrategie zu entwickeln. Sie konnten sich allerdings noch nicht auf einen Gegenkandidaten einigen, den sie gegen ihn ins Rennen schicken wollen. Ihr Favorit Tom Coburn, Ex-Senator von Oklahoma, zögert, da er an Krebs leidet und seine Kräfte gegen die Krankheit bündeln möchte. Dem Ex-Gouverneur von Texas, Rick Perry, trauen nicht alle zu, ein ernsthaftes Gegenangebot zu sein.

Ein realistisches Ziel dabei ist weniger, jemanden zu finden, der Trump bei einer Abstimmung in der Partei über den Wunschkandidaten schlagen kann. Sondern eine Sabotagestrategie vorzubereiten, die verhindert, dass Trump Präsident wird. Diese Republikaner ziehen es vor, die Wahl 2016 krachend zu verlieren, weil sie fürchten, dass ein Präsidentschaftskandidat oder gar Präsident Trump langfristig weit größere Folgeschäden für die Partei auslösen würde als eine verlorene Wahl.


6 Kommentare

Neuester Kommentar