Politik : Doping – alles noch viel schlimmer

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Berlin - Das Dopingkontrollsystem des Sports ist weit weniger wirksam als bisher angenommen. Das geht aus den Prozessakten gegen den Leichtathletiktrainer Thomas Springstein hervor, die dem Tagesspiegel vorliegen. Darin tauschen sich Springstein und ein spanischer Arzt über zahlreiche Substanzen und Betrugsmethoden aus, die mit den bisherigen Verfahren nicht nachzuweisen oder den Dopingfahndern nicht einmal bekannt sind. Es geht dabei vor allem um Hormonpräparate, aber auch um Mittel zur Verfälschung des Dopingtestergebnisses. „Wir müssen damit rechnen, dass hier mit Substanzen gearbeitet wird, die wir nicht kennen“, sagte Wilhelm Schänzer, der Leiter des Kölner Doping-Kontrolllabors. Helmut Digel, der Vizepräsident des Internationalen Leichtathletikverbandes, sagte nach Einsicht in die Akten: „Der organisierte Sport hat keine tauglichen Instrumente gegen Doping.“

Springstein war im März wegen Dopingvergabe an eine minderjährige Athletin vom Amtsgericht Magdeburg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Nachdem der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) Einsicht in die Prozessakten erhalten hatte, leitete er jetzt Doping-Ermittlungsverfahren gegen Athleten aus Springsteins Trainingsgruppe ein, darunter dessen Lebensgefährtin Grit Breuer. Außerdem erstattete er Strafanzeige gegen einen spanischen Arzt und einen niederländischen Athletenmanager. Mit dem spanischen Arzt stand Springstein laut den Akten seit mindestens 1998 im Austausch über Doping. „Hier tut sich ein Abgrund nach dem nächsten auf“, sagte Roland Augustin, der Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur. Im E-Mail-Verkehr erwähnten Springstein und der Arzt auch das Mittel Repoxygen. Es war das erste Mal, dass eine Gendopingsubstanz auftauchte. Repoxygen greift in die menschliche Erbstruktur ein, ist aber bisher nur im Tierversuch erprobt.

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