Politik : Drahtzieher des Djindjic-Attentats stellt sich

Milorad Lukovic werden auch Kriegsverbrechen vorgeworfen

Caroline Fetscher

Berlin. Der mutmaßliche Drahtzieher des Attentats auf Serbiens Premierminister Zoran Djindjic hat sich den Behörden gestellt. Milorad „Legija“ Lukovic, von Interpol gesucht wegen Kidnapping, Geiselnahme, Mord, organisiertem Verbrechen und Terrorismus, wurde nach Angaben des serbischen Innenministeriums am Sonntagabend ins Zentralgefängnis Belgrads gebracht. Zuvor hatte er selbst die Polizei angerufen, um sich zu stellen. Bereits unmittelbar nach der Ermordung Djindjics im März 2003 bezeichnete Serbiens Regierung Lukovic als den Kopf eines Komplotts gegen die junge Demokratie. Djindjic galt den Verschwörern als „Vaterlandsverräter“, weil er Slobodan Milosevic an das Jugoslawien-Tribunal nach Den Haag ausgeliefert hatte. Lukovic war Chef der früheren Sondereinheit der Armee. Seinen „Roten Baretten“ werden Gräueltaten in Kroatien und im Kosovo vorgeworfen.

Nach dem Sturz Milosevics wurde Lukovic Chef der Unterweltorganisation Zemun- Clan. Die kriminelle Karriere des heute 36-Jährigen begann schon im Teenageralter. Nach einem Raubüberfall Mitte der 80er Jahre soll er laut Medienberichten nach London geflüchtet sein. Danach schloss er sich der französischen Fremdenlegion an – daher der Spitzname Legija –, ehe ihn Serbiens Geheimdienstchef Jovisa Stanisic mit dem Segen Slobodan Milosevics für so genannte Spezialaufgaben rekrutierte. Legija hatte auch engen Kontakt zu den Paramilitärs unter Zeljko Raznatovic, genannt Arkan, der später ebenso Chef einer Unterweltorganisation wurde und 2001 einem Attentat zum Opfer fiel.

Vor dem Sturz Milosevics im Oktober 2000 schloss Zoran Djindjic einen strategischen Stillhaltepakt mit Legija und den „Roten Baretten“ ab. Sie blieben zunächst von Strafverfolgung verschont, bis Djindjic begann, offen gegen die Mafia und gegen Kriegsverbrecher vorzugehen. Seit dem Mord an Djindjic war Legija, der einen kroatischen Pass sowie einen Diplomatenpass besitzt, auf der Flucht. Er soll sich in Ungarn und in Serbien versteckt gehalten haben. Belgrads Staatsanwaltschaft wirft ihm auch die Beteiligung am Mord des früheren Präsidenten Ivan Stambolic im August 2000 vor sowie ein versuchtes Attentat auf den heutigen serbischen Außenminister Vuk Draskovic. Der äußerte sich am Sonntagabend im Belgrader Radiosender B92 zufrieden über die Festnahme Lukovics: „Sie beweist, dass sich niemand der Justiz entziehen kann.“ Noch im Mai soll der Prozess gegen Lukovic beginnen.

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