Drei Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Assad an der Macht lassen, Putin Zeit geben - und fasziniert wie berätselt auf einen nie dagewesenen US-Vorwahlkampf schauen.

von
Josef Joffe.
Josef Joffe.Foto: Tsp

Ließe sich der Syrien-Krieg nicht dadurch beenden, dass der Westen auf einen Sturz Assads verzichtet?

Dies hat er doch gerade auf der Münchner Konferenz getan. Der Kern dieser Übereinkunft mit dem brillanten Schachspieler Putin lautet: Wir kriegen einen Waffenstillstand, Du aber hast noch eine Weile Zeit, Deine siegreiche Offensive gegen die Anti-Assadisten auszubauen. Ob es wirklich zum Waffenstillstand in einer Woche kommt? Die Antwort John Kerrys: „Es hängt alles davon ab, ob die Parteien ihre Versprechen einhalten.“ WmdW würde sich freuen, glaubt es aber nicht. Denn: Wer sich auf der Siegerstraße wähnt (Putin, Assad) wird nicht auf halben Weg aufhören. Und die Opposition wird alles versuchen, ihre Rückschläge wieder auszugleichen.

Europas Grenzschützer (Frontex) kapitulieren, jetzt muss die Nato ran – wird das die Flüchtlinge aufhalten?

Die Nato als Deus ex machina, der auf die Bühne springt und alles richtet? Es handelt sich um fünf Schiffe in der weiten Ägäis. Und ihre Aufgabe ist es nicht, so Nato-Chef Stoltenberg, „Flüchtlingsboote zu stoppen oder zurückzudrängen“, sondern die Aufklärung. Die Daten werden dann an die Griechen und Türken weitergegeben, damit Ankaras Küstenwache die Kähne aufhalten kann. Das hätte sie aber schon vorher tun können, weil jedermann weiß, von welchen türkischen Häfen die Schlepper in See stechen.

Und wenn es am Ende doch Hillary Clinton gegen Donald Trump wird – wer hätte da die Nase vorn?

Das wissen wir doch, jedenfalls nach dem heutigen Stand, der so verlässlich ist wie der Wetterbericht von letzter Woche. Also: Hillary Clinton liegt mit knapp fünf Punkten vor Trump. Ansonsten würden sowohl Rubio (Mitte) als auch Cruz (rechts von Trump) mit ähnlichem Vorsprung gegen Hillary C. gewinnen. Anderseits: Der Sozialist Sanders würde gegen Trump mit fast zehn (!) Punkten siegen. Der einzige Republikaner, der zurzeit eine Chance gegen den Linksaußen Sanders hätte, ist Rubio. Fazit: Lassen wir die November-Wahl beiseite und starren berätselt/fasziniert auf einen nie dagewesen Vorwahlkampf.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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