Dreikönigstreffen : FDP will mitregieren

Klare Worte von FDP-Chef Westerwelle: "Die FDP gehört in die Regierung", schwört Westerwelle seine Parteigenossen beim Stuttgarter Dreikönigstreffen gleich mehrfach auf den anstehenden Bundestagswahlkampf ein. Mit wem die Liberalen künftig regieren wollen, lässt er vorerst offen – alles ist vorstellbar, bis auf die Linke.

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Guido für Deutschland: FDP-Chef Westerwelle will seine Partei 2009 zurück in die Regierung führen. -Foto: dpa

StuttgartDie FDP hat zum Auftakt des Wahljahres ihren Anspruch auf eine Regierungsbeteiligung auch im Bund untermauert. Beim traditionellen Dreikönigstreffen der Liberalen sagte Parteichef Guido Westerwelle am Dienstag in Stuttgart: "Wer aus der großen Koalition raus will und nicht will, dass Deutschland eine Linksregierung bekommt, der hat als Garantie nur die FDP." Er warf der Koalition Versagen im Kampf gegen den Abschwung vor.

Westerwelle kündigte bei der Veranstaltung im Stuttgarter Staatstheater an, er wolle die Forderung nach Steuersenkungen in den Mittelpunkt der bevorstehenden Wahlkämpfe stellen. Er freue sich dabei "über jeden Verbündeten", sagte er mit Blick auf den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, der sich vehement für Steuersenkungen ausgesprochen hatte. Es sei gut, "wenn manche auf diesen Weg zurückkehren". Vor allem die mittleren und kleineren Einkommen müssten entlastet werden. Es sei besser, jetzt Steuersenkungen vorzunehmen, als später Arbeitslosigkeit finanzieren zu müssen.

Keine Koalitionsaussagen

Der großen Koalition warf Westerwelle vor, sie finde bei den Maßnahmen gegen die Konjunkturkrise nur noch "den kleinsten gemeinsamen Nenner". Im Regierungslager gönne keiner dem anderen den Erfolg. "Alle sind schon eingegraben in den Wahlkampf." Die Regierung sei "in allem gescheitert". Trotz der größten Steuererhöhung mache sie jetzt die meisten Schulden. Er vermied dabei erneut eine Koalitionsaussage zugunsten der Union. Es gehe nicht um das "wer mit wem", sondern wer wofür stehe.

Vordergründig ist Westerwelle jedoch nach allen Seiten gesprächsbereit: Er tauscht kleine Weihnachtsnettigkeiten mit Kanzlerin Angela Merkel von der CDU aus, er trifft sich gelegentlich mit dem Außenminister und SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier zum Gedankenaustausch im Auswärtigen Amt, und er hat nach eigenem Bekunden sogar die Berührungsängste mit den Grünen abgelegt.

Mit Merkel "sympathisch verbunden“

Regieren will Westerwelle aber am liebsten mit Merkel, "der ich durchaus sympathisch verbunden bin". Daran gibt es auch nach dem Dreikönigstreffen keinen Zweifel. Sollten das die Stimmenzahlen nach dem 27. September nicht hergeben, ist für ihn das Spiel allerdings wieder offen. In Stuttgart sagt er das erneut deutlich: "Wir haben doch nicht gemeinsam für die Deutsche Einheit gekämpft, um jetzt zuzusehen, dass Sozialisten und Kommunisten wieder etwas zu sagen haben."

Westerwelle forderte auch verstärkte Bemühungen um die internationale Abrüstung und warf der Regierung unverhältnismäßige Einschnitte in die Bürgerrechte vor. Es habe hier eine "dramatische Phase des Abbaus" gegeben. Er nannte das verstärkte Abhören von Telefongesprächen und die Vorratsdatenspeicherung. Zudem sei das Bankgeheimnis "in wesentlichen Teilen faktisch aufgehoben". Er verlangte zudem mehr Anstrengungen in der Bildungspolitik. "Bildung als Bürgerrecht ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr."

Gegen den Gesundheitsfonds

"Einzig eine starke FDP, an der man bei der Regierungsbildung nicht vorbei kann, ist Garant für andere Politik", sagte auch FDP-Generalsekretär Dirk Niebel. Bei den Wahlen werde darüber entschieden, in welche Richtung "sich unser Land entwickeln wird". Er forderte eine "Steuerstrukturreform". Wenn schon viel Geld in die Hand genommen werde, solle dies wenigstens für etwas geschehen, was die Bürger wirklich entlaste. Der zu Jahresbeginn gestartete Gesundheitsfonds solle sofort zurückgenommen werden, um die Bürger zu entlasten. Spielräume gebe es auch in der Rentenversicherung und bei den Geldern der Bundesagentur für Arbeit.

Auch die baden-württembergische FDP-Vorsitzende Birgit Homburger warb für Entlastungen bei Steuern und Abgaben, sowie einen stärkeren Bürokratieabbau. "Nicht der Neoliberalismus ist auf dem Vormarsch, der Neosozialismus ist auf dem Vormarsch", sagte Homburger, die auch FDP-Fraktionsvize im Bundestag ist. Die Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin forderte einen Bürokratieabbau in der Europäischen Union. "Wir wollen Europa nicht als Alltag regulierndes Bürokratiemonster", sagte Koch-Mehrin, die erneut als Spitzenkandidatin bei der Europawahl im Juni antreten soll. (iba/AFP/dpa)

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