Dresscodes für den Präsidenten : Der Körper ist ihr Style

Eine modische Stilkritik des Präsidentenpaars.

Elisabeth Binder und Grit Thönnissen
Foto: AFP
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Macht versus Glamour: Die Outfits, die Angela Merkel und Michelle Obama zum Dinner im Schloss Charlottenburg trugen, hätten unterschiedlicher kaum sein können. Merkel entschied sich für ein praktisches Ensemble mit ganz schön weiten hellen Hosen in undefiniertem Sommerton, die eventuell als langer Rock hätten durchgehen können. Dazu trug sie ein weißes Jackett und eine Kette. Das ist praktisch in unterkühlten Räumen, im Schloss hätte sie sich auch luftiger anziehen können. Aber Merkel trägt ja normalerweise entweder Blazer und Hosen oder lange Kleider. Beim Dresscode „Dunkler Anzug“ lag diese Wahl für sie also nahe. Im kurzen Kleid würde sie wohl verkleidet und wenig authentisch wirken. Michelle Obama kam in einer für sie typischen Wow-Robe, schwarz mit auffälligem goldenem Muster und pointierten Schleifen unterhalb der kurzen, breiten Träger. Dazu trug sie Pumps mit nicht zu hohem Absatz.

Bei der Ankunft kam die First Lady noch ganz berlinisch daher: Michelle Obama kam im Jersey an. Kein Wunder, dass sie auch einen eher casual aussehenden Blumenstrauß in die Hand gedrückt bekam – Gerbera mit grüner Griffmuffe. Unmodisch aber ist die Präsidentengattin bei ihrem gesamten Besuch nicht. Die Hosen sind weit, der mit Nieten besetzte Gürtel betont die Taille, und das Ganze in Schwarz – der Modefarbe schlechthin.

Angela Merkel machte sich vor dem Dinner modisch so unangreifbar, wie es sonst nur Männer mit ihren mehr oder weniger schlecht sitzenden Anzügen hinkriegen: Die Kanzlerin trug Playmobilstil – oben bunt, unten dunkel, obendrauf Helmfrisur. Aber neben dem geschmeidig-glamourösen Obama-Paar wirkt vielleicht jeder andere hausbacken.

In der Hitze zeigte Michelle auch ihre Arme vor – die sind fast so berühmt wie die Handtaschen und Pillbox-Hüte von Jackie Kennedy. Als Mode-Ikonen sind beide Obamas weit vorne: Der Körper ist der Style, auf den es ankommt. Das könnte auch der Grund sein, warum Michelle tagsüber so enge schwarze Hosen trug, dazu ein schwarz-weißes Top. Auf nichts können sich Designer in aller Welt für diese Saison besser einigen als auf Schwarz-Weiß. Es macht das eher schlichte Outfit präsentabel – selbst zu Michelles schluffigen Ballerinas.

Einer der Lieblingsdesigner von ihr ist Jason Wu, heute tätig bei Hugo Boss. Vielleicht kommt Michelle Obama bald mal nach Berlin zurück; zur Fashion Week.

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