Politik : Dritter Versuch

Der Runde Tisch zu Gewalt in den Medien jetzt für Juni geplant

Markus Ehrenberg

Im vergangenen Mai hatte Kanzler Gerhard Schröder als Konsequenz aus dem Amoklauf von Erfurt die Initiative „Runder Tisch gegen Gewalt in den Medien“ ins Leben gerufen. Damals hatte der 19-jährige Robert S. am Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen und sich selbst erschossen, sein Lieblingsspiel auf dem Computer war „Counterstrike“ gewesen. Mit an den Runden Tisch sollten deshalb neben Vertretern der Politik und der Fernsehsender auch diejenigen der Videospiel-Industrie und der Internet-Provider. Doch aus dem Runden Tisch wurde nichts. Die konstituierende Sitzung im August sagte das Kanzleramt drei Tage vorher wegen der Flutkatastrophe ab. Ein Ersatztermin am 31. März wurde wegen des Irak- Kriegs gestrichen. Jetzt hat der Kanzler für den 16. Juni erneut zum Runden Tisch geladen. Es gilt, „vorhandene Grundsätze zu überprüfen und wo nötig auch neue Grundsätze zu entwickeln“, verkündet das Kanzleramt. Zudem soll die Umsetzung der freiwilligen Selbstkontrolle der Anbieter geprüft werden.

Gewaltdarstellungen in den elektronischen Medien spielen vor allem bei Computerspielen eine Rolle. Dennoch, sagt Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Television, können auch die Fernsehsender „kein Interesse daran haben, als Schuldige abgestempelt zu werden“. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hielten sich mit Gewaltfilmen sowieso zurück. Den Privaten sei in dieser Hinsicht auch nichts vorzuwerfen. „Die Arbeit der Jugendschützer wird sensibler bewertet“, sagt Doetz. Allerdings hatten die TV-Sender nach der Tragödie von Erfurt angekündigt, Aufklärungsspots zu senden, in denen Gewalt als Konfliktlösungsmittel geächtet wird. Bisher ist es bei ein paar Spots im Kinderkanal geblieben. Am 16. Juni soll mit Hilfe des Kanzlers und des ZDF eine neue Anti-Gewalt- Kampagne gestartet werden.

Komplizierter dürfte die Diskussion am Runden Tisch mit Videoproduzenten und Internet-Providern werden. So liegt der derzeitige Boom der Videospielbranche zum Teil auch an den brutalen Darstellungen. Was das Internet betrifft, scheitern Versuche, gewaltverherrlichende Websites von Jugendlichen beispielsweise durch Filtersoftware fern zu halten, immer wieder an der mangelnden Einsicht der Eltern oder dem Erfindungsreichtum derer, die solche Seiten ins Netz stellen. Wenn die Internet-Anbieter aufgefordert werden, die Seiten vom Netz zu nehmen, ist es meistens zu spät.

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