Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung : Automat schlägt Cannabis

Jugendliche rauchen so wenig wie nie zuvor, auch der Konsum von Alkohol und Cannabis geht zurück. Hingegen sind vor allem junge Männer immer stärker von Glücksspiel gefährdet. Zahl der Automaten in Gaststätten soll verringert werden.

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Rückläufige Sucht: Jungedliche haben 2011 weniger Cannabis, Alkohol und Tabak konsumiert.
Rückläufige Sucht: Jungedliche haben 2011 weniger Cannabis, Alkohol und Tabak konsumiert.Foto: dpa

Zigaretten, Cannabis, Alkohol: Diese Rauschmittel verlieren für Jugendliche offenbar ihren Reiz. Dafür sitzen immer mehr von ihnen vor Spielautomaten oder am Computer. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesregierung im Drogen- und Suchtbericht, den die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) am Dienstag in Berlin vorstellte.

Glücksspiel, vor allem an Automaten, wird demnach bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunehmend zum Problem. Insgesamt geht die Bundesregierung von 264 000 abhängigen Spielern aus. In der Altersgruppe der 16- bis 20-Jährigen habe der Trend zum Automatenspiel stark zugenommen. Knapp 25 Prozent der 16- und 17-Jährigen hätten 2011 gewerbliches Glücksspiel genutzt, sagte Dyckmans, 2009 seien es nur 15 Prozent der Jugendlichen in dieser Altersgruppe gewesen. Die meisten von ihnen sind junge Männer mit Migrationshintergrund. „Viele der Betroffenen sind arbeitslos und spielen tagsüber“, sagte Dyckmans. Entgegen den gesetzlichen Vorgaben hätten Jugendliche unter 18 Jahren in vielen Gaststätten unkontrollierten Zugang zu Automaten – in Kasinos und Spielhallen werde besser kontrolliert. „Deswegen will ich eine drastische Reduzierung der Anzahl der Automaten in Gaststätten erreichen“, sagte die Suchtbeauftragte. Momentan sind drei Automaten pro Gaststätte erlaubt. Die Bundesregierung will diese nun auf ein oder zwei reduzieren. „Wir hoffen, eine entsprechende Verordnung noch vor der Sommerpause durchzusetzen.“ Die neue Verordnung soll auch strengere Auflagen und höhere Geldstrafen enthalten.

Auch Computerspiele und exzessive Internetnutzung stuft der Bericht als zunehmend problematisch ein: Etwa 250 000 der 14- bis 24- Jährigen seien bereits internetabhängig, 1,4 Millionen gelten als problematische Internetnutzer. Dyckmans will weitere Studien in diesem Bereich durchführen und zudem für bessere Aufklärung über „verantwortungsvollen Computer- und Internetgebrauch“ sorgen.

Als erfreulich bezeichnete die Drogenbeauftragte Dyckmans die Entwicklung im Bereich der klassischen Rauschmittel. So rauchen beispielsweise Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren so wenig wie nie zuvor: Die Zahl ist 2011 auf unter 12 Prozent gesunken – 2001 waren es noch 27,5 Prozent gewesen. In eine ähnliche Richtung entwickelt sich der Alkoholkonsum in dieser Altersgruppe: Nur noch 14,2 Prozent der Jugendlichen geben an, mindestens einmal wöchentlich Alkohol zu trinken. Und nur noch 6,7 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sagen, mindestens einmal Cannabis probiert zu haben, weniger als die Hälfte der Zahl aus 2004. „In vielen Bereichen zeigen die Maßnahmen Wirkung“, sagte Dyckmans.

Trotzdem gebe es Gruppen, die besser erreicht werden müssten: So ist zum Beispiel das „Rauschtrinken“ bei älteren Jugendlichen nach wie vor weit verbreitet. Und der regelmäßige Alkoholkonsum von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren liegt unverändert hoch bei knapp 40 Prozent.

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