Drogenstudie : Die Jugend wird braver - bis auf die Komasäufer

Die Zahl minderjähriger Raucher ist auf einen Tiefstand gesunken, auch beim Cannabiskonsum gibt eine neue Studie zur Drogenaffinität Jugendlicher Entwarnung. Einzig das "Komasaufen" macht dem Gesundheitsministerium Sorgen.

Komasaufen
Bis zur Bewusstlosigkeit. Die Zahl jugendlicher Komasäufer besorgt. -Foto: dpa

Berlin"Wir haben gute Nachrichten." Mit diesen Worten eröffnete eine gut gelaunte Bundesdrogenbeauftragte am Freitag die Vorstellung einer neuen Studie zur "Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik" in Berlin. Sabine Bätzing (SPD) berichtete, dass die Zahl der Jugendlichen, die regelmäßig rauchen, trinken oder Cannabis konsumieren, in den vergangenen Jahren in Deutschland zurückgegangen ist.

Bei den 3000 befragten 12- bis 25-Jährigen sei der Anteil der Raucher unter den Minderjährigen auf den niedrigsten Stand seit 1979 gesunken, so Bätzing. Allein seit 2001 ging der Anteil der rauchenden 12- bis 17-Jährigen von 28 Prozent auf 15 Prozent in diesem Jahr zurück.

Erfolg durch Tabaksteuer und Nichtraucherschutz

Nach vielen Jahren des Anstiegs ist auch der Cannabiskonsum rückläufig. Gaben 2004 noch rund 31 Prozent der 12- bis 25-Jährigen an, schon einmal im Leben diese Droge konsumiert zu haben, waren es 2008 nur noch 28 Prozent: Ein Beleg für den Erfolg der "strukturellen  und präventiven Maßnahmen", so zum Beispiel bei der Tabaksteuer und der Nichtraucherschutzgesetze, erläuterte Bätzing.

Das alles ist aber kein Grund, "die Hände in den Schoß zu legen". Denn Sorgen bereitet eine Gruppe junger Leute, die ungebrochen zum Teil mehrfach in der Woche exzessiv Alkohol trinkt. Alkohol ist bei den Heranwachsenden das am weitesten verbreitete Suchtmittel. Bei den 12- bis 17-Jährigen tranken 2008 mehr als 17 Prozent regelmäßig, 2004 waren es etwa 21 Prozent.

Bätzing: "Trend zum Binge Drinking ist ungebrochen"

Obwohl der größte Teil dieser Jungen und Mädchen nach dem Jugendschutzgesetz eigentlich gar keinen Alkohol trinken dürfte, konsumierten nach eigenen Angaben etwa 20 Prozent im vergangenen Monat mindestens bei einer Gelegenheit fünf oder mehr Gläser Alkohol. "Dieser Trend zum sogenannten Binge Drinking ist weiterhin ungebrochen", sagte die Drogenbeauftragte. 2004 lag der Anteil der Exzessivtrinker bei 23 Prozent.

Man will nun mit gezielten Präventivmaßnahmen den auf der einen Seite erfreulichen Trend halten und außerdem gefährdete Gruppen gezielter erreichen. Noch in diesem Jahr soll es, so Bätzing, ein nationales Aktionsprogramm zur Tabak- und Alkoholprävention unter Jugendlichen geben. (mpr/AFP/dpa/ddp)

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