Edmund Stoiber : So sieht das aus, wenn’s vorbei ist

Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber sagt an seinem Geburtstag der Partei adieu - und kann sich bei seiner Rede einen Seitenhieb auf die Kandidatin Pauli nicht verkneifen: "Die CSU ist kein Happening!"

Robert Birnbaum[München]
Stoiber Ovation
Umgeben von Freunden: Edmund Stoiber von der CSU. -Foto: ddp

Der Parteitag, so er denn überhaupt schon anwesend ist am frühen Freitag nachmittag in der Münchner Messe, der Parteitag also ist beschäftigt. Es gibt ja auch Dinge zu besprechen, wenn man sich schon mal sieht! Erinnerungsfotos müssen geschossen werden. Und die Zeitung – wer die Zeitung noch nicht gelesen hat, kann das jetzt eigentlich nachholen. Vorne auf dem Podium schreit ein weißhaariger Herr in zwei Mikrofone. Rechts und links vom Podium ist sein Gesicht noch einmal zu sehen, in zwei großen ovalen Bildschirmen, die an gigantische Medaillons fürs Familienporträt erinnern, nur mit bewegtem Bild. Edmund Stoiber arbeitet sich durch seine Rede zum neuen Grundsatzprogramm der CSU, mit vollem Stimm- und Körpereinsatz wie eh und je. Es interessiert nur keinen. So sieht das also aus, wenn es vorbei ist.

Eine gute halbe Stunde verspätet hat der CSU-Parteitag schon angefangen. Der Saal ist trotzdem nur halb voll. Und derart nüchtern, sozusagen beiläufig hat auch noch kein CSU-Parteitag je begonnen. Irgendwann kräuselt hinten am Saaleingang ein wenig Applaus auf, ein Kamerapulk schiebt sich hinein. Viel größer als der Kamerapulk, in dessen Mitte vorhin die Landrätin Gabriele Pauli in den Saal gerauscht ist, ist der Parteivorsitzendenpulk auch nicht. Pauli trägt übrigens die Haare nicht mehr ganz so rot, sondern eher kirschbraun. Aber das nur am Rande, an dem die selbst ernannte CSU-Vorsitzendenkandidatin hier ohnehin steht. Wie er sich verhalten werde bei Paulis Bewerbungsrede am Samstag, wird Fraktionschef Joachim Herrmann gefragt. „Eisig schweigen“, sagt Herrmann. Ganz wird daraus übrigens doch nichts, weil Pauli später in der Programmdebatte je einen Änderungsantrag zur Familien- und zur Türkei-Politik vorstellt und immer einer dagegen reden muss. Der Parteitag lehnt Paulis Anträge ab. Nur sie selbst stimmt für sich.

Stoiber also zieht ohne Defiliermarsch ein. Aus den Delegiertenreihen kommen etliche und schütteln ihm die Hand. „Herzlichen Glückwunsch, Edmund!“ Er hat 66. Geburtstag. Abends wird gefeiert. Von Udo Jürgen als Stargast („Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“) hat man aus Kosten- und sonstigen Gründen abgesehen.

Aber bis zum Fest ist es noch etwas hin. Erst muss Stoiber vorne in den Vorstandsreihen auch noch die Geburtstagswünsche entgegen nehmen. Dann muss er lange im vollen Licht der Kamerascheinwerfer mit Erwin Huber beisammenstehen und etwas von eminenter Wichtigkeit bereden, was sehr schöne Bilder gibt. Horst Seehofer, der andere Kandidat für den Vorsitz, kommt viel später und sitzt allein in der ersten Vorstandsreihe.

Stoibers Rede soll in das neue Grundsatzprogramm einführen; die eigentliche Abschiedsrede kommt am Samstag. Aber selbst eingedenk dieser Abfolge ist der Beifall auffällig lustlos. Erst als der Vorsitzende die üblichen Watschenfiguren zu Hilfe ruft – Jürgen Trittin, den „Demagogen Lafontaine“, die SPD nebst deren „demokratischem Sozialismus“ – wird der Applaus etwas engagierter. Am deutlichsten ist er beim Seitenhieb auf die Kandidatin Pauli: „Die CSU ist im Übrigen auch kein Happening!“ Da schauen sogar die Zeitungsleser kurz auf und schlagen die Hände aufeinander.

„Halten wir unsere CSU zusammen“, ruft er zuletzt. Da, endlich, rauscht der Applaus noch einmal auf wie in alten Zeiten, eine Minute, zwei Minuten. Stoiber winkt in den Saal. Der Beifall hört immer noch nicht auf. Man kann so ganz genau nur nicht sagen, ob er dem Redner gilt oder doch mehr der Tatsache, dass es jetzt vorbei ist.

Es bleibt dann Angela Merkel vorbehalten, diese Tatsache überhaupt als erste anzusprechen. Sie ist mit Musik eingezogen, übrigens. „Jeder spürt, dies ist ein besonderer Parteitag“, sagt die Kanzlerin. Und dass es ganz richtig sei, wenn gesagt werde, dass Deutschland von Bayern lernen könne. Der Parteitag applaudiert erfreut. An Merkel hat hier im Moment niemand etwas auszusetzen. Merkel an sich selbst auch nicht. „Es gab Kanzler, die haben von 3,5 Millionen Arbeitslosen geträumt“, ruft sie. Applaus.

Besonders erfreut klatschen die Delegiertern, als Merkel versichert, dass sie zum Betreuungsgeld „stehe“, als „nächster Etappe“ in Sachen Kinderbetreuung. Als die CDU-Chefin fertig ist, eilt Stoiber auf die Bühne mit einem großen Blumenstrauß. Merkel drückt ihm einen Kuss auf die Backe. Vielleicht auch, weil es jetzt vorbei ist.

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