Politik : Eigentor

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Versteht Günter Netzer etwas von Politik? Seine Pässe „in die Tiefe des Raumes“ in den 70er Jahren gelten fröhlichen Intellektuellen zumindest als sportliche Entsprechung des ebenso weit ausgreifenden Reformanspruchs der sozialliberalen Koalition: Willy Brandts Aufforderung „Mehr Demokratie wagen“ als Pendant zu „Mehr Tore wagen“. Diese Woche hat Netzer eine Politikerin mächtig geärgert. Der Grimme-Preisträger rief mit seinem Satz, er halte Michael Ballack wegen dessen ostdeutscher Herkunft als Führungsspieler für „charakterlich nicht geeignet“ sofort die PDS auf den Plan. Die selbst ernannte „fußballpolitische Sprecherin“ der PDS, Petra Pau, erinnerte schnell an das 1:0 der DDR-Elf gegen die BRD bei der WM 1974 in Hamburg: „Während Wessi Netzer im Mittelfeld vor sich hindöste, schoss Ossi Sparwasser in der 78. Minute das Führungs- und Sieg-Tor“, meinte Pau und gab zu bedenken, ob Netzer angesichts solcher Gedächtnislücken als öffentlich-rechtlicher Kommentator überhaupt „charakterlich geeignet“ sei. Überhaupt: Was sagt der neue Aufschwung der Nationalmannschaft der Politik heute? Soll Gerhard Schröder im mühsamen Kampf um Reformen nun schon Hoffnung schöpfen, nur weil Rudi Völlers Spieler nach so vielen missgelaunten und ineffektiven Stolpereien gegen Schottland doch noch aufdrehten? Findet die SPD nach der selbstquälerischen Debatte wieder über „demokratischen Sozialismus“ wieder „auf’n Platz“?

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