Politik : Ein großer Bogen

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagt der Dichter. Wir können uns so ungefähr denken, an was der Dichter dabei gedacht hat. Dichter sind ja früher oft etwas verträumte Menschen gewesen, die nichts zu beißen hatten, dafür aber öfter mal eine neue Muse. In Wirklichkeit wohnt dem Anfang das Chaos inne. Am Tag Zwei nach der Bundestagswahl irren lauter Menschen durch den Reichstag, die dort das Volk vertreten sollen, aber noch nicht wissen, wo.

Die Fraktionen bieten ihren Neu-Abgeordneten Erste Hilfe, eingetütet in eine transparente Mappe: Wo finde ich was, wer ist für was zuständig, wo ist was los in Berlin und was man sonst so wissen muss. Das ist auch manchem neu, der gemeinhin nicht als heuriger Hase gilt. Am Dienstag also strebt im Foyer vor der CDU/CSU-Fraktion der frisch gebackene Bundestagsabgeordnete Günther Beckstein dem Tischchen mit dem Schildchen „Abgeordnete A-H“ zu und schnappt sich eine der Mappen. Blättert ein bisschen drin rum, guckt sich ein bisschen um. Auf einem Tisch vier Tische weiter aber steht ein anderes Schild. „Reisestelle“ steht da drauf sowie „Miles & More“. Ob er denn nicht auch dort mal eben vorbeigucken …? Der Abgeordnete Beckstein (CSU) aber lässt den Frager gar nicht erst ausreden. „Da“, sagt er, „werd’ ich einen ganz großen Bogen drum machen!“ Spricht’s und verschwindet im Fahrstuhl nach unten. Denn Beckstein will zwar, sobald die Kanzlerwahl vorbei ist, seinen Sitz wieder abgeben und als Innenminister nach Bayern zurückkehren. Aber nicht im freien Flug. Robert Birnbaum

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