Politik : Ein klarer, begrenzter Auftrag

Malte Lehming

Washington. Für die Militärstrategen ist der Fall klar: Wer gegen eine Guerilla kämpft, muss ihre Taktik übernehmen. Die Stärke der in Afghanistan herrschenden Taliban-Milizen ist deren hohe Flexibilität. Feste Ziele sind rar, die Truppen sind mobil und kennen sich bestens im Gelände aus. Die Taliban sind ein schwieriger Gegner, der durch zielgenaue Raketen allein nicht besiegt werden kann. Ein massiver Einsatz von Bodentruppen wiederum wäre für die eigenen Soldaten zu riskant. Deshalb haben die Amerikaner in der Nacht auf Samstag damit begonnen, die "Operation dauerhafte Freiheit" gewissermaßen durch Elemente eines Guerilla-Krieges zu ergänzen. Wenige Kämpfer wurden für wenige Stunden ins Gelände geschickt, um einen klaren, begrenzten Auftrag auszuführen.

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Themenschwerpunkte: Gegenschlag - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung
Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags Kurz nach Ende des für die Moslems heiligen Freitag griffen etwas mehr als hundert US-Elitesoldaten mindestens einen Militärstützpunkt der Taliban im Süden Afghanistans in der Nähe der Stadt Kandahar an. Dabei kam es zu Schusswechseln. Weder Amerikaner noch Taliban meldeten Verluste. Allerdings riss ein US-Hubschrauber, der die Aktion unterstützte, auf pakistanischem Gebiet zwei US-Soldaten in den Tod. Ein Unfall, sagen die Amerikaner. Ein Treffer der Luftabwehr, jubeln die Taliban. Die US-Elitesoldaten wurden mit Hubschraubern vom Flugzeugträger "Kitty Hawk" ein- und ausgeflogen. Die "Kitty Hawk" liegt vor der Küste Pakistans. Bei ihrem Einsatz unterstützt wurden die Soldaten von speziell ausgerüsteten Kampfflugzeugen vom Typ "AC-130". Bei den Elitetruppen handelt es sich überwiegend um "Army Rangers". Das sind umfassend geschulte Männer, die gelernt haben, sich in jedem Terrain - ob Arktik, Dschungel, Wüste oder Gebirge - zu behaupten. Sie befinden sich in einem permanenten Alarmzustand, um jederzeit innerhalb von 18 Stunden überall auf der Welt eingesetzt werden zu können. Die "Rangers" waren auch die ersten US-Soldaten, die 1944 in der Normandie landeten.

Der erste, offiziell bestätigte Bodeneinsatz amerikanischer Truppen in Afghanistan war der Auftakt zu einer Reihe ähnlicher Operationen. Die Elitesoldaten, die jetzt regelmäßig aktiv sind, werden überwiegend nachts eingesetzt. Sie sind ausgerüstet mit entsprechenden Sichtgeräten und hochmodernen, zum Teil schweren Waffen. Nach Angaben des Pentagon hat die amerikanische Armee nach 13 Kriegstagen mit etwa 2000 Raketen und Bomben mehr als 60 Ziele in Afghanistan getroffen.

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