Politik : Ein paar Bier in Taschkent

Der Alltag der Soldaten in Kabul ist hart, Freizeit gibt es kaum

Sven Lemkemeyer

Bundeswehrsoldaten in den Straßen Kabuls, umringt von Menschentrauben, gefeiert und bejubelt. Dies waren die ersten Bilder von den deutschen Soldaten der internationalen Schutztruppe Isaf aus Afghanistan. Das Isaf-Mandat läuft noch bis Dezember, dass es, ebenso wie der Anti-Terror-Einsatz „Enduring Freedom“, verlängert wird, gilt als sehr wahrscheinlich. Doch wie läuft der Alltag der derzeit 1250 Bundeswehrsoldaten? „Der Dienst ist nach wie vor nicht nur wegen der Patrouillen sehr belastend“, sagt Major Christian von Platen.

Der 42-jährige Offizier von der Regensburger Division für spezielle Operationen, die seit Beginn des Schutztruppeneinsatzes den Großteil des deutschen Kontingents stellt, war bis Ende August für dreieinhalb Monate in Kabul stationiert. Im Prinzip sind die Männer rund um die Uhr einsatzbereit, sieben Tage in der Woche“, sagt von Platen. Freizeit gebe es so gut wie kaum. Selbst wenn: „Das Feldlager verlassen nur die Streifen.“ Zum einen lasse die Sicherheitslage in der Stadt nach wie vor nichts anderes zu. Zum anderen böte die zerstörte Stadt auch keine Freizeitmöglichkeiten. Besonders hart sei es für die ersten deutschen Soldaten in Kabul gewesen, räumt von Platen ein. „Es gab ja im Camp nichts, keine Infrastruktur, keine Duschen, keine Chance auf Unterhaltung.“ Inzwischen hat das deutsche Lager ein Kino, eine Play-Station, einige Fitnessgeräte und ein Gemeinschaftszelt. Alles nicht luxuriös, aber immerhin. Und auch die Kommunikation mit dem fernen Deutschland via Handy, Internet oder Feldpost funktioniert nach anfänglichen Schwierigkeiten. Inzwischen wird auch mit dem Bau von festen Unterkünften für 1000 Soldaten begonnen – der Winter naht.

Die einzige Chance, während ihrer sechsmonatigen Dienstzeit wirklich abzuschalten, ist die so genannte Betreuungsfahrt, die von den beiden Militärpfarrern in Kabul organisiert wird: Drei Tage Urlaub in einem guten Hotel in Taschkent in Usbekistan. „Da können sich die Männer dann mal ein paar Bier genehmigen“, sagt von Platen.

Sechs Monate – gerade die Dauer des Auslandseinsatzes ist für viele die größte Schwierigkeit. „Nach unserer Erfahrung laufen die ersten vier Monate relativ glatt, und dann treten zu Hause Probleme mit Freundin oder Frau auf, die die Männer dann sehr belasten“, sagt Wilfried Stolze vom Bundeswehrverband. Dann seien viele wieder dankbar für die langen Arbeitszeiten. „Es bleibt kaum Zeit zum Nachdenken.“

Trotz aller körperlichen und seelischen Belastungen, Major von Platen betont die positiven Aspekte des Einsatzes: „Die Männer bekommen ja auch etwas zurück. Die strahlenden Augen der Kinder in den Straßen sind ein tolles Erlebnis.“

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