Politik : Eine Minderheit mit Einfluss

Birgit Cerha

Bagdad - Christen besiedeln das Gebiet des heutigen Irak seit rund zweitausend Jahren. Die Mehrheit gehört der mit Rom unierten chaldäischen Kirche an. Viele Chaldäer sprechen aramäisch. Die zweite große christliche Gemeinde sind die Assyrer, Nachkommen der alten Reiche Assyrien und Babylonien. Sie sind, wie die Chaldäer, zwar Semiten, doch keine Araber. Im Irak Saddam Husseins wurden sie nicht als eigene Volksgruppe anerkannt. Zudem gibt es noch kleinere christliche Gemeinden, wie die Armenier, syrisch Orthodoxe, syrische Katholiken und Anglikaner. Sie sind im Nord-Irak konzentriert, in Kirkuk, Erbil und Mossul sowie in Bagdad.

Seit vielen Jahrzehnten lebten die Christen in relativer Harmonie mit ihren moslemischen Brüdern. Die Verfassung garantierte Religionsfreiheit. Saddam Hussein kultivierte lange die Unterstützung religiöser Minderheiten, um sein sunnitisches Minderheitenregime gegen die schiitische Bevölkerungsmehrheit, die er massiv unterdrückte, zu stärken. Er hielt meist auch antichristliche Ausbrüche islamischer Fanatiker in Schach. Christen brachten es auch im Regime zu einflussreichen Positionen, so etwa Tarik Asis, eine der zentralen Figuren im innersten Kreis um Saddam Hussein.

Dennoch wurden Christen wiederholt auch Opfer der saddamschen Gewalt. Die irakische Armee zerstörte während der Vernichtungskampagnen gegen die Kurden in den 80er Jahren auch hundert kleine christliche Dörfer im Nordirak sowie alte Klöster und Kirchen. Aus dem Ölgebiet um Kirkuk wurden nicht nur Kurden, sondern auch Christen Opfer einer jahrelangen massiven Arabisierungskampagne. In den letzten Jahren seiner Herrschaft versuchte Saddam zunehmend, die islamische Welt als Verbündete gegen die ihn bedrohende christliche Supermacht USA zu gewinnen, und verschärfte damit den Druck auf die Christen. 2002 unterstellte er die christlichen Geistlichen und den Kirchenbesitz voll dem Ministerium für islamisches Eigentum.

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